Gesprächsbedarf und Achtsamkeit? Wie das?

Gesprächsbedarf…? Klingt im Moment wohl etwas allgemein, oder…?

Herzlich willkommen zu Beitrag 8 aus der Achtsamkeits-Serie!


Gesprächsbedarf also wird unser heutiges Thema sein.

"Bedarf" nun ist umgangssprachlich eine Ableitung aus "bedürfen / Bedürfnis"!

Und ich glaube wohl mit jedem hier in der Runde konform zu gehen, dass wir als Menschen nun eben Bedürfnisse haben! Es liegt in der Natur, dass es so ist.

Erst kürzlich habe ich in einem Achtsamkeit-Beitrag das Thema "Bedürfnis" herangezogen. (Info, wo die Beiträge nachzulesen sind, am Ende des Beitrages!)

Im Zuge eines bestimmten Dialoges dann brachte eine Leserin/Kommentatorin den Bereich "Bedürfnis" dahingehend auf einen wichtigen Punkt: Manche Bedürfnisse nun sind einzig mit sich selbst nicht zu bewerkstelligen.
Es kamen Themen wie Berührung, Sexualität, Nähe… und unter anderem auch Gesprächsbedarf ins Spiel!


Nun… ich wäre nicht ich, hätte ich nicht manchmal zuviel bunte Knete im Kopf / den Schalk im Nacken…
…zumindest soviel, um mir diese Bemerkung nun nicht ersparen zu können… oder gar ersparen zu wollen:

Nehmen wir mal Berührung:
Kann ich mir selbst denn nicht zum Beispiel Zärtlichkeit, Berührung schenken?
Klingt für manchen jetzt abartig? Kopfkino ist schon an?


Also sorry… ich bin ein Mann.
Jedoch… wenn ich zum Beispiel in die Dusche steige (und nicht grade verpennt habe und mich noch schnell gewaltsam munter bekommen möchte…), schrubbe ich mich da in der Dusche mit der Drahtbürste ab, nehme Seifenlauge aus der Werkstatt… und abgerocknet wird mit Schleifpapier…???
Oder erlaube ich mir hier durchaus zum Beispiel einen schönen Massageschwamm, ein duftendes Schampoo… und zuletzt zum Trocknen ein flauschiges Handtuch?
Bin ich also in der Lage, mit selbst Berührung, Zärtlichkeit auf diese Weise zu schenken…?

Oder sitze ich dem Irrglauben auf, dass da halt wieder mal irgendein Gegenüber herhalten müsste, um mein Bedürfnis zu stillen…? Ich bewege mich also in einem "Brauchen", so gesehen einem Mangel… und schon beinahe in einer Opfer-Rolle.

 

Nehmen wir Sexualität:
Ich denke, wir alle sind erwachsen.
Und ich muss nicht unbedingt drauf hinweisen, dass es sogar schon Gewerbe-/Industriezweige gibt, die diverse Spaß-Toys produzieren und verkaufen, um nicht unbedingt auf ein Gegenüber angewiesen zu sein.

Und so gehts noch mit einigen Dingen, zu denen wir angeblich ein Gegenüber "brauchen". Wir haben uns da in gewisser Weise Bedürftigkeiten innerhalb Bedürfnissen geschaffen.

Ich möchte allerdings durchaus "einräumen", dass ein Genießen vieler Dinge in Zweisamkeit durchaus mehr Prickeln, Spaß, Erfüllung bringen können. Oder auch nicht, wie Beispiele immer wieder zeigen…


Gehen wir nun zur Nähe…
Hier könnte die Sache – auf den ersten, äußeren Anschein – nun schon ein bisschen verzwickter werden…  Von wegen Nähe, wenn ich doch alleine bin.
Doch bei etwas genauerem Hinsehen, erkenne ich das im Grunde als Schwachsinn, maximal Vorwand.
Ich kann einem Menschen nah sein, der sich irgendwo auf diesem Erdenrund befindet. Es ändert nichts an der gefühlten Nähe zu diesem Menschen.
Ja beinah abstrakter Weise tritt oft das Phänomen auf, dass diese Nähegefühl oft noch mit der Entfernung wächst. Weil dieser Mensch eben nicht – zumindest körperlich – in der Nähe ist. Ich nenne es auch gerne "Entzug".
Allerdings… auch hier wieder: Ist dieser Mensch in meiner Nähe, womöglich sehr sehr nahe… dann wird da noch mehr Intensität, Feuer innewohnen. Oder eben auch nicht.


Kommen wir jetzt zum Gesprächsbedarf.
Ich will´s mal so ausdrücken: Es wird vielleicht dezent merkwürdig anmuten, wenn ich mit der Wand spreche!   laugh
Gut… es ist mittlerweile offenbar wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen sehr oft Selbstgespräche führen, dies auch nicht abnormal, sondern gegebenenfalls sogar "gesund" ist…
Aber einen inhaltlichen Austausch werde ich in der Regel nun tatsächlich nur mit einem Gegenüber tätigen können. Die Art und Weise (ob persönlich, per PC, Handy etc.) lasse ich da völlig außen vor.
Ich halte mich nicht für altmodisch… jedoch bevorzuge ich definitiv die persönliche Begegnung, den Austausch.

Wie schon angeführt…
…es ist unter anderem ein Bedürfnis, dass Menschen sich austauschen!

Ja…
…nicht zuletzt in einem kürzlichen Vortrag eines renommierten Hirnforschers Prof. Hüther, fand es deutliche Erwähnung, dass der Mensch alleine – ohne Austausch – im Grunde genommen verkümmern würde. Nicht wirklich wachsen könnte!
Denn erst durch die Interaktion mit seiner Umwelt, also Austausch, könne ein Lernprozess, eine Entwicklung stattfinden!
Jeder erinnert sich vielleicht an entsprechende, na sagen wir mal moralisch bedenkliche Versuche, wo ein Kind z.B. völlig isoliert wurde. Es fand nicht nur keine Entwicklung statt, sondern das Kind verstarb. Weil kein Austausch… und somit auch keine Zuwendung, keine Liebe, stattfand.

Dem ist nichts hinzuzufügen!


Was nun allerdings – und damit möchte ich für den heutigen Beitrag die Achtsamkeit ins Thema einbinden – wichtig ist, ist die Art und Weise, wie wir unseren Gesprächsbedarf begründen und befriedigen!

Wie jetzt?

Welche Art und Weise? Was meine ich damit?

Darf ich mal ein Wort, förmlich in den Raum "schießen"…?

GETRATSCHE !!!

Gleich vorweg… ich werde mir erlauben, dazu noch einen gesonderten Beitrag ausführlich zu gestalten!

In der Kürze jedoch vorweg:
Viele Menschen befriedigen ihren Gesprächsbedarf in Form von Getratsche. Über Gott und die Welt. Zumeist aber immer über Andere. Nachbarn, Bekannte, Firmenkollegen, ja über Tagesthemen wie Politik, Manager, Krisen und weiß Gott über sonst noch alles.
Es wird getratscht. Jeder gibt seinen Senf dazu, nur, damit es laut tut. Nur, damit der Gesprächsbedarf ein Ventil findet.
Inhaltlich jedoch wird massenhaft Verantwortung überschritten, sich jeweils in Belange des/der Anderen eingemischt. Be- und verurteilt, Objektdenken in Reinkultur geschaffen und ausgelebt.

Ist das jedoch tatsächlich DER Austausch, der aus einem menschlichen Bedürfnis entspringt?

Oder wollen wir in einem Gesprächsbedarf doch in die Tiefe gehen?

Ja… da wird so mancher einwerfen wollen, man könne doch nicht tagtäglich nur tiefgründige Gespräche führen? Man müsse auch mal belanglose Sachen besprechen können…

MUSS MAN TATSÄCHLICH…?

Wenn sie doch belanglos sind?

Muss man unbedingt labern? Weil am Ende Stille peinlich würde?

Ja! Genau das!
Wie oft durfte ich selbst schon erleben, dass (m)ein Gegenüber sichtlich nervös wurde, wenn ich mal nichts von mir gab! Und schier automatisch kam dann – meist früher als später – irgendwas.
Und mit "irgendwas" meine ich auch tatsächlich Solches! Nur damit aber halt eben irgendwer etwas sagte!


Und…
…um da das vorher grade umschriebene zusammen zu fassen…
…an Dich liebe Leserin , lieber Leser folgende Frage(n):

Woraus begründet sich für Dich Gesprächsbedarf?

Tatsächlich um über irgendwas zu quatschen, nur damit man halt quatscht?
Damit sich irgendwelchen Frust, Ärger von der Seele reden kann?
Oder damit man wieder irgendeine Neuigkeit, Anschaffung präsentieren oder über irgendein (belangloses) Thema, seine Meinung belehren kann?

Oder könnte unterm Strich – wenn Du Dir mal genug Zeit dafür gibst – herauskommen, dass Du Dich austauschen willst, um über den Anderen zu erfahren… beziehungsweise in Spiegelung, Resonanz vielmehr über Dich selbst zu erfahren…? Austausch von Energien?


Und damit nun zur "Hausaufgabe" des heutigen Themas!

Mir ist bewusst, ich selbst hatte erst kürzlich das Thema der Erwartung, Vorstellung aufgeworfen… und der möglichen Risiken, die Erwartungen mitbringen… wie Ent-Täuschung.

Jedoch möchte ich das Thema im Sinne der Achtsamkeit nun anders formulieren und den "schmerzhaften Zahn" der Erwartung ziehen…

Gesprächsbedarf


Es könnten da so vier Grundschritte in der Erfüllung eines Gesprächsbedarfes hilfreich sein:

1) Stell Dir die Frage, worum es Dir in dem Gespräch geht!?
Was möchtest Du "loswerden", "anbringen"… wie zuvor schon geschildert: willst Du tratschen… oder doch ein sinnvolles Gespräch führen, dass eben zu etwas führen soll?

2) Wie möchtest Du aus diesem Gespräch herausgehen?
Erneut… nur etwas losgeworden zu sein? Oder durchaus etwas wertvolles mitgenommen zu haben… wie Begegnung, Wertschätzung, Information, Freude, Erfüllung u.v.m.?

3) Die dritte Frage könnte dazu lauten: Was brauchst Du jetzt?
Diese Frage zielt einerseits auf die Bedürfnisse ab. Ist es tatsächlich Gesprächsbedarf… oder könnte es zum Beispiel doch vielmehr Nähe, Stille, Zärtlichkeit… was auch immer sein?
Bewahre hier Wertschätzung und innere Ehrlichkeit Dir selbst gegenüber!
Denn… spätestens auf unbewusster Ebene würde die Inkongruenz dann für das Gegenüber sichtbar, wenn Du äußerlich ein Thema in den Raum stellst, innerlich jedoch ein ganz anderes wirkt!

4) Diese vierte Punkt bedarf oftmals wahrlich einer Bewusstheit, Beobachtung, Achtsamkeit:
Vermeide in dem Austausch dann Be- oder Verurteilungen, Bewertungen, Schuldzuweisungen etc. Egal, ob es sich direkt an Dein Gegenüber wendet oder an 3. oder 4. gerichtet ist! Denn im Grunde wären wir hier wieder beim Tratsch.
Grade dieser Punkt nun bedarf einiger Übung. Denn auch ich selbst ertappe mich doch immer wieder dabei, dass ich mehr oder minder direkt Bewertungen abgebe. Dass sich über diese Bewertungen Grundsatzgedanken, Glaubenssätze manifestieren!

 

Wie komme ich grade da drauf?
Ein "Schwank" aus meinem Erleben…
Ich traf mich im Zuge der Gestaltung und Publizierung mit einem alten Freund, der mir hier teils sehr tatkräftig zur Seite stand.
Wir führten ein Gespräch zur Thematik.
Irgendwann im Zuge dieses Gespräches dann unterbrach er mich…
…und zählte mir dann mal ein paar Aussagen von mir auf, die ich alleine innerhalb der letzten 10-15 Minuten getätigt hatte!
Erste Reaktion: eine immer stärker werdende Mischung von einer Form von Ärger, ja auch Peinlichkeit/Scham… und noch so Einiges. Es war mit einem Wort gesagt: unangenehm!
In dem Sinne wäre es nicht mein Freund gewesen, als dass er dann nicht jeweils eine Erklärung dazu gab. Denn Sinn, die (mögliche) Wirkung des von mir gesagten sichtbar machte. Vor allem des für mich selbst Wirksamen!
Ich kann mich ja nun gewaltig täuschen… aber so im Nachhinein gesehen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass mein Freund zuvor auch eine Art Konzept zu dem Gespräch hatte.
Also sehrwohl wusste, worum es ihm in dem Austauch ginge, wie er daraus hervorgehen wolle.
Ich wusst schon, aus welchem Grund ich in dieses Gespräch ging… allerdings wurden letztlich so gesehen meine "Vorstellungen" sogar noch übertroffen!
An dieser Stelle… Ein herzliches Danke an Dich lieber Markus!

 

Im Grunde genommen könnte man also umreißen…
…bevor Du die Befriedigung Deines Gesprächbedarfes gehst, nimm Dir entsprechend Zeit, um in gewissem Maße eine Vorbereitung zu treffen! Und wenn es auch nur um ein kurzes Gespräch, einen kurzen Austausch geht!
Mache Dir bewusst! Gehe nicht einfach rein und labere los… womöglich in der Hoffnung, dass es schon irgendwie auf das Thema käme… oder auch nicht!
Werde gleichzeitig zum Beobachter Deiner selbst!

Und als Tipp:
Wenn Du Deinem Gesprächsbedarf Raum schenkst… spreche das Thema, die Absicht neutral, konkret und sachlich an! Kein Drama, keine Geschichten, die Dein Gegenüber auch – zumeist unbewusst – ohnehin durchschauen würde.
Treffe Deine Aussagen so, dass Dein Gegenüber innerlich ja … oder auch nein… sagen kann. Nicht um den heißen Brei, unklar, Gewäsch…
Sei in dem Zusammenhang auch selbstbewusst und benenne Dein Gefühl! Äußere Dein Bedürfnis… und wenn Du eine Bitte hast, auch diese!

Viele meinen heutzutage, man kann doch nicht immer alles ausführlichst zerkauen, gar totreden.
Möglicherweise ist aber mangelnde Zeit für Kommunikation aber ein gravierender Fehler!
Denn riechen, schmecken, Gedankenlesen kann Dein Gegenüber nicht. Selbst bei aller Empathie der Welt! Dann kommen da wieder Erwartungen, Vorstellungen etc. dazu… und schon sind wir wieder im Konflikt!
Aus diesem Grund ist offene, authentische Kommunikation enorm wichtig!

Und ja…
…je offener wir uns präsentieren, desto "verletzbarer" scheinen wir!

Doch lasse mich Dir – aus meiner Sicht – eines ganz ganz klar legen!

Das ist purer Schwachsinn!

Denn die Verletzbarkeit entsteht in mir selbst! Die verursacht nicht der Andere!

Ich bin ich!
Mit all meinen Ecken und Kanten. Mit meinen Bedürfnissen.

Wenn ich diese äußere, dann bin ich ICH. Nicht mehr – nicht weniger!
Das, was wiederum der Andere daraus "macht", ist SEINE Sache. Betrifft mich nicht. Verändert mich nicht.
Wenn mein Gegenüber meint, mich Bewerten zu müssen, dann ist das SEIN Bier! Nicht meines! Mein "Wert" sinkt weder noch steigt er. DAS glaubt maximal mein Gegenüber!

Spiele ich sein Spiel aus mangelndem Selbstbewusstsein, Mangel, Angst, Bewertung, Objektdenken mit… dann ist dies MEINE Entscheidung. Gleichfalls es auch meine Entscheidung ist, dies nicht zu tun. Ist grade zweiteres authentisch, wird tatsächlich gelebt… dann allerdings wird das Gegenüber im Sinne einer Resonanz vermutlich erst gar nicht auf die Idee kommen. Nicht bewusst… aber unbewusst ist alles geklärt.


Deshalb also nochmal…
…die 4 Punkte!

Und wenn nun einer oder mehrere dieser Punkte nicht zu definieren, umzusetzen sind… ja dann lasse ich es eben!
Dann relativiert sich mein Gesprächsbedarf im Grunde genommen von selbst! Ich komme also mitunter dann in gar keine Situationen, in denen ich mich selbst in ein Eck manövriere.

Und um vielleicht noch mit einem hinlänglichen Klischee aufzuräumen, dass nur oder vorwiegend Frauen die Tratscher wären…
Schwachsinn!
Männer tratschen vielleicht nicht so ausführlich… aber tun es genauso! Und wie! Ich gehörte auch einmal dazu!


Ich wünsche Dir liebe Leserin, lieber Leser, nun also viel Spaß, viel Bewusstheit…
…und mögliche neue Beobachtung, Erfahrung…
…im Umgang mit dem Bedürfnis nach Gesprächsbedarf!


Dein Lifecoach
Ernold

 

PS: Wer die vorherigen Beiträge nicht gelesen hat / erst jetzt "eingestiegen" ist…  Die Blogs sind gerne nachzulesen unter: http://www.das-neue-ich.com/meine-blog-insel/ … oder zusammengefasst auf der Projekt-Seite  http://www.das-neue-ich.com/projekt-achtsamkeit-im-taeglichen-umgang/

 

Bildquelle: Pixabay – Beitragsbild gesamt (C) Das Neue Ich

 

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