„Ach das passt schon!“ – Aussage eigener Verleugnung?

Wie oft fällt die Aussage eigener Verleugnung, Verleugnung von Bedürfnissen, Anliegen?
"Ach das passt schon!"
Wie oft "passt", tief in uns, rein gar nichts…???

Herzlich willkommen zu einem weiteren Achtsamkeitsbeitrag!

Erneut aus aktueller, achtsamer Wahrnehmung in meinem Umfeld, stieß ich auf dieses "Thema".

Die Hintergrundgeschichte dazu:
Eine bekannte fragte kürzlich über einen Chat nach, wie es denn ginge.
Da ich erst am Nachmittag dann dazu kam, in Ruhe zu antworten, tat ich dies.
Als weiteres Statement kam dann zurück, dass sie an sich am Vormittag hinaus ins schöne Wetter wollte. Aber jetzt sei es ohnehin zu spät (das Wetter hatte sich merklich in Richtung unfreundlich verändert).

Aus einem inneren Impuls heraus fragte ich dann nach, was sie denn abgehalten habe, aus welchem Grund sie nicht eben hinausgegangen sei?
Inhaltliche Antwort: Weil sie nicht so ganz alleine wollte…
Nochmalig nachgefragt, was denn nun in dem Moment (also Vormittag bei Schönwetter) wichtig(er) gewesen sei… das schöne Wetter… oder nicht allein zu sein… Da kam als Antwort dann retour: "Ja ist eh Wurst. Egal. Wollt halt nur fragen!"

Wurst ist bekanntlich gefüllte Haut, hinten und vorne abgebunden.

Ich hake also nochmal nach, mit dem Hinweis, dass ich dies aus einem bestimmten Grund täte…
Erneut: "Ist Wurst".

Die Frage anders formuliert, ob die Bedürfnisse (welche auch immer) "Wurst" seien…, oder wichtig wären, gelebt zu werden?
Als erneute "Entwertung"…: Es wäre "nur" eine Frage gewesen.

Also erlaubte ich mir die letzte Hinterfragung: Wenn also die Beantwortung einer so einfach scheinenden Frage zur "Wurst" gemacht werde… Wie wichtig sei sie sich selbst?
Dahingehend wurde dann unwirsch abgewürgt, dass ich mit meinem "Psychogequatsche" aufhören solle.


Nun… liebe(r) LeserIn!

Wie bekannt kommt Dir so eine Situation vor…? Schon mal gehört/gesehen/erlebt?

Wie oft haben wir selbst schon, die Antwort einer Frage zur "Wurst" gemacht? "Passt schon!"


Passt es denn wirklich…?

Wie in diesem geschilderten Beispiel nun geht es doch darum, dass wir als Menschen nun einmal kleinere bis größere Bedürfnisse haben!
Menschlich!
Absolut in Ordnung!

Ob diese Bedürfnisse nun einzig aus unerfülltem eigenem Mangel entstammen… nicht Thema dieses Beitrages!  Und ja… vielleicht dürfen wir auch ein wenig auseinanderhalten, was die Art von Bedürfnissen angeht. Wenn es zum Beispiel körperliche angeht wie Essen, Trinken… na dann wird da im Sinne einer Existenzfrage wenig Spielraum für Debatte sein. Aber auch nicht wirklich Thema heute.

Ob wir diese Bedürfnisse – wie im Beispiel geschildert – nun im Jetzt erfüllen können? Punktlandung!
Dass diese Bedürfnisse – am Besten grade heraus – klar angesprochen werden dürfen? Punktlandung Nr. 2!
Und dass diese Bedürfnisse nicht durch eine floskelhafte Verleugnung abgewertet, verdrängt, zunichte gemacht werden mögen? Punktlandung Nr. 3!


Im Einzelnen nun…
Wenn zum Beispiel schönes Wetter ist draußen… Wir das Verlangen verspüren raus zu gehen…
Was hindert uns daran?
Die schier übermenschliche Anziehungskraft des Wohnzimmersofas?
Mehr nicht…?

Eine Ebene "tiefer" nun … wie im beschriebenen Beispiel…:
Wenn sich nun hier als eigentliches Bedürfnis hervortut, dass man keine Lust hat, alleine herumzustapfen…
Was hindert uns daran? Was hindert uns, konkret nach "Begleitung" Ausschau zu halten?
Oder in dem Sinne nun treffender beschrieben: Was hindert uns daran, dies ganz offen und gerade anzusprechen?
Aus welchem Grund nun erfolgt hier so eine Art "Herumgeeier" um das grundlegende Anliegen, Bedürfnis?
Dass gefragt wird, wie es mir geht… Feine Sache! Nur hier dient es einem anderen "Zweck".

Wenn nun letzten Endes nun ein Gegenüber nicht (sofort) reagiert…, wir die Gelegenheit vermeintlich verpassen… wohl eher vorübergehen lassen…
…ja was tun wir dann in der Regel?
Aufgeben? Sauer, frustriert sein? Und so weiter…  Aufgrund nicht erfüllter eigener Erwartung… Es geht also oft nicht nur um das Bedürfnis alleine…

Und dann erfolgt doch ein Kontakt, es wird in die Tiefe nachgefragt…
Schon "passt es schon". Schon wird die Angelegenheit zur "Wurst". Zur "nur eine Frage". Zur Not… zum "Psychogequatsche".
Im Hintergrund nun aber brodelt der Groll.
Sei es über sich selbst, dass man halt nicht rausgegangen ist, die Chance eben nicht genutzt hat. Sei es über die Nachfragerei… weil sich das Gegenüber erdreistet.

Mich beim Verleugnen meiner eigenen Bedürfnisse im Grunde voll erwischt hat. Sowas geht schon gar nicht!


Aus welchen Gründen gehen wir aber oftmals in solche Verleugnung eigener Bedürfnisse???
Verpacken sie maximal in ein verbales Herumeiern um das Thema, anstelle grade mit dem Anliegen rauszurücken?

Vielleicht etwa aus Angst…?
Angst davor, eine Absage zu bekommen? Angst, dem "gefragten" Gegenüber doch irgendwie zu nahe zu treten?
Zeigt sich durch den Lebensspiegel hier eine Art von mangelndem Selbstwert…?


Ich darf an dieser Stelle ganz klar auseinander halten: Selbstwert, Selbstliebe hat nichts mit Egoismus zu tun!
Ein etwaiges Bedürfnis ist auch ganz klar kein Fehler, keine Schwäche nach hinlänglich bekanntem Bewertungsmaß!

Wieder an dieses Beispiel angelehnt…:
a) Wenn es tatsächlich um das schöne Wetter geht… Aus welchem Grund könnte ich dieses nicht ebenso alleine in vollen Zügen genießen? Bräuchte ich dazu Beistand? Bestätigung? Aufmerksamkeit?
b) Oder bin ich genau bei diesen zuletzt genannten Themen? Geht es mir vielmehr um das Bedürfnis von Gesellschaft? Etwas miteinander teilen? Welche Scheu hätte ich, dies direkt anzusprechen?

Wie ergeht es uns im Leben?
Können wir auch völlig alleine genießen? Oder sehen wir uns in dieser Form getrennt…?

Und aus welchem Grund wird ein Bedürfnis dann zum "Wurst"? Zum "passt schon"?
Zum "es war ja nur eine Frage"…?


Worauf ziele ich ab?
Auf die eingangs angeführte, eigene Verleugnung! Abwertung, Hintanstellen von Bedürfnis!

In dem Moment, wo ich ein Bedürfnis habe, hat es eine Wichtigkeit! Punkt! Basta!
Sonst käme mir der Gedanke ja erst gar nicht!
Aus welchem Grund also, wird diese Wichtigkeit dann wieder bewusst negiert? Ist "Wurst", "passt schon"?

WIE WICHTIG BIST DU DIR IN DEINEM TUN, DEINEN BEDÜRFNISSEN ???


Wir alle sind erwachsen. Und ja – wir wissen, dass wir manches Mal nicht absolut gleichzeitig mit Auftauchen eines Bedürfnisses, dieses auch umgehend befriedigen können. Weil es vielleicht grade äußere Umstände nicht erlauben… (was hinsichtlich Auslegung "Umstände" auch seeehr dehnbar ist)…

Es geht mir grundlegend viel eher um die "chronische Verleugnung"! Es geht um die Anzahl der Impulse, die Menschen sich hier setzen!
Wenn Bedürfnisse ständig nach dem Motto "Wurst" und "passt schon" unterdrückt werden. Wenn grob gesagt, dauernd gute Mine zum Bösen Spiel gemacht wird, tief in uns jedoch Ärger, Frust brodeln… und natürlich weiterhin das Bedürfniss auf seine Befriedigung wartet.
Oder noch gröber ausgedrückt: "Wenn einen Scheiß etwas passt… oder Wurst ist!"

Es beginnt bereits in der Kindheit… findet im Erwachsenenalter seine Fortsetzung. In Form von ständiger Unzufriedenheit, einem Jammern, schlechter Stimmung die ins Umfeld projiziert wird. Nicht selten wird zum Beispiel in Beziehungen gerne auf den jeweiligen Partner/die Partnerin projiziert. Der jeweils Andere möge mich glücklich machen. Ja es wird gradezu die Forderung aufgestellt, dass der jeweils Andere am Besten Gedanken lesen können soll… Weiters Probleme in Arbeitsumfeldern. Entsprechende Kommunikation steht hinten an.

An dieser Stelle… Hast Du meinen letzten Blog zur passiven Aggressivität gelesen?  Falls es Dich interessiert: Am Blog-Ende findest Du einen Hinweis / Link zur den gesammelten Achtsamkeitsbeiträgen.

Genau solche Aggressivität nun vermag auch über diese Verleugnung entstehen!

Wir riskieren mitunter eher, dass wir einem Bedürfnis keinen Raum geben, es einer inneren Verleugnung, Abwertung unterziehen…
Und im "Härtefall" weisen wir dann dafür noch einem Gegenüber die Verantwortung zu. Gehen gar zu anderen jammern.

"Weil der und der nicht Zeit hatte, konnte ich nicht rausgehen ins schöne Wetter!"
"Aber es ist ja "Wurst", "passt schon"!"


Als schöne und interessante "Hausaufgabe" im Sinne einer Achtsamkeit nun, heute folgende Einladung:
Beobachte in der nächsten Zeit einmal Dein Denken und Tun!
Wann treten eigene Bedürfnisse auf? Innerhalb welcher Zeit gibst Du diesen Zeit und Raum zum Erleben, Ausleben?
Oder wo wird verdrängt … tritt oft Anwendung von vermeintlich sachlich begründeten Ausreden an deren Stelle?

Als zentrale Frage:

WIE WICHTIG BIN ICH MIR ALS MENSCH ???

Wichtig in diesem Zusammenhang: bewerte nicht, be- oder verurteile nicht! Das ist ganz sicher nicht Sinn und Zweck der "Übung"!
Sondern viel mehr darf ich hier motivieren, inspirieren… dass Du ganz bewusst, achtsam und liebevoll mit Dir selbst umgehst!

Dass Du der Erfüllung Deiner Bedürfnisse, Möglichkeit gibst!

Vielerorts wird immer von Zentrierung, innerer Mitte, Balance gesprochen. Meiner bescheidenen Meinung nach gehört dieser liebevolle Umgang und eine allfällige innere Zufiredenheit mit sich selbst, vorrangig dazu!

Eine kleine "Vorwarnung" dazu allerdings…: Sollte zur Erfüllung eines Bedürfnisses die Präsenz eines oder mehrerer anderer Mitmenschen vonnöten sein… ERWARTE NICHT!
Lade sie ein, an Deinem "Vorhaben" teilzunehmen. Aber erwarte nicht, dass dies "automatisch" so sein müsste! Mache Dein Glück nicht von Anderen abhängig!  wink

 

Abschließend wünsche ich Dir somit von Herzen eine achtsame Zeit, mit dem Fokus auf den Umgang mit Deinen Gefühlen!

Wenn Fragen bestehen… ich bin gerne für Dich da!

Dein Blog-Autor
Ernold Prinz

(Lifecoach, psycholog. Berater (i.A.), Sachbuchautor)

 

PS: Wer die Achtsamkeits-Beiträge nicht gelesen hat / erst jetzt "eingestiegen" ist…  Die Blogs sind gerne nachzulesen,zusammengefasst auf der Projekt-Seite  https://www.das-neue-ich.com/achtsamkeitstraining/

PS: Ein Direktlink zu meinem neuen Buch: Informations- und Kaufseite zur Verlagsseite von Tao.de

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