Authentizität – Die Ehrlichkeit des Lebens – Teil 2

Hallo Freunde!

In diesem 2. Teil möchte ich noch mehr die angeführte "Authentizität" an sich vertiefen.

Authentizität (von gr. αὐθεντικός authentikós „echt“; spätlateinisch authenticus „verbürgt, zuverlässig“) bedeutet Echtheit im Sinne von „als Original befunden“. Das Adjektiv zu Authentizität heißt authentisch

So steht die Definition des Begriffes auf jeden Fall einmal nachzulesen.

..zuverlässig…   ….Echtheit…   …als Original befunden…

Welche Farbe nimmt ein Chamäleon an, das man in ein Spiegelkabinett setzt? Woran passt es sich an, wenn es keine andere Umgebung hat als sich selbst?

Diese merkwürdige Frage trieb in den 1970er Jahren die damals noch junge Disziplin der Kybernetik um. Behält das Reptil seine anfängliche Farbe? Pendelt es zwischen verschiedenen Tönungen hin und her? Wird es gar in den Farbenwahnsinn getrieben?  

Authentizität

(Es gibt auf YouTube dazu sogar ein Video zu sehen!)

 

Erstaunlicherweise ist die Forschungsfrage bis heute nicht endgültig beantwortet. Zwar beschrieb der Publizist Kevin Kelly, Mitbegründer des Magazins Wired, in den neunziger Jahren, wie er einmal eine chamäleonartige Anolis-Echse in ein Spiegelkabinett setzte. Das Ergebnis – ein Wechsel von Dunkelbraun zu Grün – ließ jedoch jeden Interpretationsspielraum zu. Das Tier nahm nämlich jenen Grünton an, den es sonst bei Schreckreaktionen zeigt.

Bloß warum? Vermutlich, schloss Kelly, befinde  sich das Chamäleon "in einem Zustand andauernder Furcht vor seiner eigenen, verstärkten Fremdartigkeit". Purer Stress also vor sich selbst.

Kommt uns das irgendwie bekannt vor???
Wenn wir wirklich ehrlich hinblicken…in uns blicken…
…ist da nicht ein gewisser Pegel an Dauerstress, Dauerangst…?
…und wir verstecken, kaschieren dann hinter unseren Ich-Masken so gut wie es geht – färben uns so ein, wie wir jetzt in dem Stress-Pegel-Moment aussehen?

Zeigen nicht unser wahres Ich…? Verstellen uns, verbiegen uns….oft nach allen Regeln der Kunst…???
In diesem kuriosen Experiment dürften sich heute viele Menschen wiederfinden. Ist die moderne Medienwelt nicht auch eine Art Spiegelkabinett? Wird nicht die kleinste Lebensregung von uns umgehend per Selfie festgehalten, auf Facebook gepostet, per Twitter verbreitet oder auf YouTube hochgeladen?

Pausenlos sind wir bemüht, unser Abbild im Spiegelblick der anderen zu optimieren:
Im Büro geben wir die Gewissenhafte, unter Freunden den Lockeren, in der Familie die Liebevolle, im Fußballstadion den Wilden und so weiter.
Ähnlich wie das bedauernswerte Chamäleon, machen auch wir die Erfahrung, dass die zahlreichen Selbst-Bilder auf uns zurückwirken und uns in immer neue Rollen zwingen. Und je zahlreicher die Schablonen, in denen das Ich steckt, desto ratloser fragt es sich: Wer bin ich wirklich?

Vorbei die Zeiten, in denen stabile soziale Gefüge unsere Identität bestimmten. Heute ist alles im Fluss, vorläufig und auf Abruf. Moderne Subjekte, so analysiert der Jenaer Soziologe Hartmut Rosa, "sind nicht mehr Bäcker, sie arbeiten im Moment als Bäcker, sie sind nicht mehr konservativ oder progressiv, sie haben lediglich ›das letzte Mal‹ vielleicht links oder rechts gewählt, sie sind nicht mehr Münchnerin, sondern ›leben seit drei Jahren in München‹". Wenn aber die äußeren Bedingungen keinen Halt mehr versprechen, wird das Bedürfnis umso dringlicher, den eigenen "wahren" Kern zu entdecken, das "authentische" Wesen, das man jenseits aller Rollen und "im Grunde" ist.

(Textauszüge verwendet aus einem Artikel der "Zeit online", "Mein wahres Ich")

 

Es stellt sich also unweigerlich die Frage:Authentizität
Aus welchem Grund haben wir begonnen, NICHT zu sein, wer wir sind?

Meine These geht neuerlich wieder auf jene Zeit, jenen Punkt zurück, in der wir noch Kinder waren.
Kinder, die aufgrund unwahrer Gedanken – impliziert vom Umfeld – begannen vermeintliche Mängelzustände zu begründen. Kopien von uns selbst zu schaffen oder inszenieren.

Jene Zeit, in der wir fälschlicher Weise begannen anzunehmen, dass man besitzen müsse, um sich zu definieren. Als Beispiel: wer erinnert sich noch an eine Kindersituation… mehrere Kinder sind da beisammen… und einer hat nun ein mega-geiles, hypes Spielzeug bekommen… Alle anderen Kinder standen bewundernd rundherum… wollten auch haben… wollten sich auch unbewusst über dieses Spielzeug definieren….bewundert werden….


An dieser Stelle also kann man dann den "Faden weiterspinnen" und der Frage nachgehen: WANN begann es, dass sich der Mensch über Dinge definierte…über das Aussen? Nicht das SEIN und das Innen?
Wie kam der Mensch letztlich auf die Idee, in diesem Beispiel nun mehr oder minder Neidgefühle, des "ebenfalls besitzen wollens" zu begründen? Über Aussen?

Wie kam der Mensch letztlich auf die Idee, sich weniger bewundert zu fühlen – nur weil er das Teil nicht besaß…? Somit Minderwertigkeit?
Kann man an dieser Stelle gemütlicher Weise einfach die "Ausrede" vorschieben und damit Selbstverantwortung abschieben, ja das wäre halt so entstanden…? Es gäbe keine Begründung…

Und ließe man dies selbst nun gelten…:  unweigerlich die Frage:  Ist in diesem Falle noch eine Begründung nötig… oder reicht mitunter bereits maßgeblich die Erkenntnis in sich?

Dann stellen wir kurz eine Frage in der Jetzt-Zeit…. wenn wir diese Erkenntnis vergleichen mit der heutigen Situation…in der sich zusehend beinahe alles nur mehr über Aussen definiert, in der wir uns selbst zum Sklaven der Materie, des Aussen gemacht haben…   
(…denn man betrachte doch bloß, was wir alles in dieser nahezu komplett kapitalisierten Welt tun, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten, vielleicht ein bisschen auf Urlaub fahren zu können, Hobbies nachgehen zu können, sich grade das neueste Handy oder TV am Markt kaufen zu können, irgendwann vielleicht mal ein bisschen Pension/Rente erhalten zu können etc. etc.):

Haben wir zum Einen nun endlich erkannt, wohin uns diese Definition über das Aussen geführt hat…? Dass wir alle – selbstverständlich zumeist unbewusst, aber dennoch – die heutigen Zustände erschaffen haben? Aus unseren ursprünglichsten Gedanken…? Was wir bisher angestellt haben mit unserer Schöpferkraft…?
Und haben wir zum Anderen endlich erkannt, was dies aus UNS gemacht hat? Sind wir denn noch wir? Authentisch? Sind wir die Menschen, die wir sind….oder machten wir uns zu Chamäleons?

Ich verwende immer gerne das Beispiel des Gespräches mit dem allerbesten Freund oder der allerbesten Freundin:
Sind wir wenigstens dort noch, der wir sind? Können wir dort tun und lassen was wir wollen? Weil wir dort einfach auch der sein dürfen, der wir sind? Auf einer tiefgründigen, freundschaftlichen Vertrauensbasis. Und wenn etwas "nicht in Ordnung" ist, dann wird ebenso vertrauensvoll drüber gesprochen, geklärt…..aber niemand muss sich verstellen, verbiegen, "chamäleonisieren"…?

Oder ist selbst dies in besten Freundschaften heutezutage schon nicht mehr usus?


Was schließe ich nun aus dieser "Maskerade des Lebens"?
Irgendwann wohl ging uns – aufgrund all dieser gesamten Entwicklung des Menschen – mitunter auch das gegenseitige Verständnis, Geduld, das Vertrauen, ein Respekt und Achtung vor dem Anderen, vor der Individualität des Anderen verloren. Und damit die Liebe. Und damit entstand vermeintlich Bedarf, sich zu verstecken, verstellen etc.

Denn bewegten wir uns alle innerhalb eine umfassenden Liebe, dann würden wir doch auch begleitet von Verständnis, Vertrauen, Frieden, Respekt, Achtung und Anerkennung. Es ginge gar nicht anders! Wozu sollte man in einer Liebe verstellen oder verstecken…?

Möchten wir für unsere Zukunft….und die folgender Generationen also weiterhin nur eine Maske, eine Kopie unseres Ich bleiben…
…oder wollen wir diese Kopien durchforsten nach uns selbst, klären, sie wohl annehmen als unser Schöpferwerk…?
Sie dann jedoch ablegen im Ordner des Lebens… und einzig nur mehr das Orignal präsentieren in all seinem Glanz….es pflegen und hegen, auf dass es so lange wie möglich erstrahle….?!
Im vollen Bewusstsein seines inneren Wertes!?
Im Bewusstsein, das Liebe IST…Authenthizität

Authentizität im Zentrum unseres Seins…

Euer Prinzerl

 

 

 

 

Bildquelle: Pixabay, Youtube

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