Ein ehrliches Nein vs. einem unehrlichen Ja

So ein richtig ehrliches Nein… käme es nicht viel besser zur Geltung, als ein unehrliches Ja?


Herzlichen willkommen liebe Leserinnen und Leser!


Was haltet Ihr gleich mal von dieser eingänglichen Frage?

Beziehungsweise…
a) können wir ein ehrliches Nein in den Raum stellen?
b) halten wir, so wir selbst eines bekommen, dieses auch aus? Nehmen wir es respektvoll an? Oder kommt da gleich das "aber"…?


Diese Fragen mögen auf den ersten Anschein beinahe lächerlich klingen.
"Ja selbstverständlich" wird da manchem gleich über die Lippen gleiten… Nur: Meint derjenige dies auch so? Aus tiefster Überzeugung bzw. Annahme?

Weshalb frage ich diese Dinge ab?

Weil es mir immer wieder begegnet, dass es schon dort beginnt, dass Menschen sich selbst gegenüber, kein ehrliches Nein über die Lippen bringen.

Aus welchem Grund jedoch?

Ist es ein sogenanntes schlechtes Gewissen? Letztendlich eine Anpassung aus früher Zeit?
Ist es in seiner Weise Angst?
Weil… da könnte ich ja zum Beispiel etwas verpassen. Weil… da könnte ich ja am Ende blöd dastehen. Dies… Jenes… Das…!
Unzählige Gründen finden hier plötzlich und oftmals den Weg zum Vorwand!

Ja… oft nicht einmal die eigene Gesundheit, ein psychisches Wohl, hält mitunter dem selbst auferlegten Druck stand… und ein irgendwie herumgewurstetes Ja… wird einem ehrlichen Nein vorgezogen.

Ist ein ehrliches Nein … egal nun in welchem Kontext … nicht möglicherweise für sich selbst, ein weit ehrlicheres Ja?

Nein

Es gibt in Deinem Erinnerungsschatz doch sicherlich irgend ein Geschehnis, wo Du doch schon mal ehrlich Nein gesagt hast!

Wie fühlte es sich dann an?

Beklemmend, "schuldig"… oder kamst Du ziemlich Zeitnah drauf, dass Dir da ein großer Brocken von der Seele fiel, Erleichterung sich breit machte…?

Ist dieses ehrliche Nein nicht letztlich ein deutliches Zeichen einer Wertschätzung an Dich selbst???

 


Wie sieht es anderen Menschen gegenüber aus?

Ich stelle da eine vermutlich nicht allzu neue These auf: Wenn ich es mir selbst gegenüber nicht schaffen, einmal ein klares aber ehrliches Nein zu artikulieren, durchzuziehen…
…dann wird es in Regel gegenüber anderen genauso sein. Wenn nicht noch "schwieriger".

Neuerlich wohl noch in einer Anpassung ans Leben haben wir wohl sehr oft und sehr früh gelernt, was ein Nein bedeutet.
Nicht nur, dass wir in einem eigenen Denken und Handeln zumindest unterbrochen wurden…, es bedeutete oftmals verbunden auch Liebesentzug!

"Lerne, damit aus Dir etwas wird!"… lautete da wohl ein sehr bekannter Satz!

Klingt im ersten Moment logisch, beinahe harmlos.

Ein Kind jedoch, dass zumeist auf sich bezieht, beurteilt dies zu hohem Prozentsatz ja anders.
Das Kind also übernimmt, dass es letztlich erst etwas werden muss!

Zum einen schon mal unklar, was mit dem "Etwas" gemeint wäre…
…reicht es aber noch nicht. Das Kind muss erst werden. Ist also noch nicht oder nichts!


Falls sich jemand jetzt vielleicht fragt, was dies mit dem Nein zu tun hätte…
Ja nun – es ist so gesehen ein zwar nicht wörtlich ausgesprochenes, jedoch wirkendes Nein. Zu dem Kind.
Du bist so nicht in Ordnung. Du musst erst etwas werden!

Nochmal: vielleicht mit diesem Hintergrund so gar nicht gemeint. Jedoch ausgesprochen und vom Kind – sehr oft – in diese Richtung interpretiert!!!

Das ist heutzutage eine der größten "Fallen"! Dass wir immer von uns selbst ausgehen, was wir denken/meinen, im Weiteren sagen… dass kann beim Gegenüber mitunter völlig anders ankommen!
Und beim kleinen Kind saß ja nun mal kein kleiner Mentor auf der Schulter, und bog derartige "Patzer" gleich mal wieder grade, sodass keine unwahren Gedanken länger wirksam werden konnten…


Wie also geht es uns mit dem Nein?

Wie oft haben wir denn – speziell gegenüber Anderen – so unsere Hemmungen?
Nicht zuletzt aus der schier wahnwitzigen Annahme, man könnte den Anderen damit VERLETZEN!?!

Ich halte dieses Verletzen nicht möglich! Purer Unsinn!

Ein Beispiel, damit es vielleicht sichtbarer wird:
Wir beide, liebe Leserin, lieber Leser, machen uns irgendetwas schönes aus (wir vereinbaren zu hochdeutsch).
Im Speziellen Du freust Dich schon wahnsinnig drauf. Alle möglichen Szenarien, Bilder einer Freude schießen schon durch den Kopf.
Dann sage ich in allerletzter Minute ab.
Ohne Begründung noch am Besten.

Springst Du weiterhin vor Freude im Quadrat…?  Oder eher genau umgekehrt?
Das Springen vielleicht ja… aber eher wie das Rumpelstilzchen… vor Ärger!

Fühlst Du Dich jetzt verletzt? Enttäuscht? Gekränkt? Usw.?

Nach herkömmlichem "Denken" interpretieren wir das in der Tat so!

Was jedoch ist geschehen?

Das Thema mit der Enttäuschung bzw. vorangehenden Erwartung habe ich schon in einem anderen Beitrag behandelt. Wer dies gerne nachlesen möchte…: Hier der Links dazu…  https://www.das-neue-ich.com/blogbeitrag/enttaeuscht-was-habe-ich-erwartet/


Ich spreche jetzt aber die vermeintliche "Verletzung" an!

Wie habe ich das gemacht?

Habe ich Dich geschlagen, mit einem Messer gestochen, auf Dich geschossen… wie also?
Nichts dergleichen also ist passiert.

Trotzdem diese Art Schmerz.

Habe ich nun Ärger in Dich hineingeschaufelt, mit Paketdienst liefern lassen und Du musstest eben die Sendung übernehmen?
Auch nicht!

Ich habe also abgesagt.
An sich habe ich getan, was ich getan habe. Egal nun, ob ich einen triftigen Grund hatte oder nicht.

Was ich nun getan habe – und meine Vermutung wurde aus Eigenerfahrung hier schon sehr oft bestätigt – ich habe in Dir eine Wunde berührt. Eine zumeist sehr alte Wunde!
Ich habe einen Knopf gedrückt. Indirekt war ich Bote, Arsch-Engel.
Der Dich auf diese innere, alte Wunde hinweist.

Eine Wunde, die nun zum Beispiel darin bestehen kann, dass hier noch ungesehene Minderwertigkeitsgefühle vergraben sind.
Weshalb Minderwertigkeitsgefühle?

Wie oft nun… grade zum Beispiel bei solchen "plötzlichen Absagen" kommen dann inhaltliche Aussagen wie "Ja… wird ihm/ihr schon wieder mal was Anderes wichtiger sein!".
In gewissem Maße also Eifersucht, nicht wichtig genug, eben minderwertig zu sein. Sonst würde er/sie ja nicht absagen!

Dass dieses Gefühl schon in früher Kindheit womöglich erfahren werden musste… und es bis heute niemand geklärt hat… Ja an DAS denkt man an dieser Stelle nicht. Ist vielen auch viel zu abstrakt!
Der/die Andere ist ja doch schuld. Der/die hat mich versetzt.
Es ist also leichter, die "Schuld" auf Andere zu wälzen, als sich mal selbst in die Verantwortung zu nehmen… und JA zu sagen!


Damit ich aber wieder zurückkomme zum Thema…

Wie oft zum Beispiel sagen wir irgendwo, irgendwem zu… obwohl es in uns geradezu schon lauthals "heult" nach einem ehrlichen Nein?!
Auch… aus zuvor beschriebener Angst, zu verletzen, dumm dazustehen, ins Gerede zu geraten. Denn – oh was könnten die Anderen denn dann über mich denken!

Nur: haben wir denn überhaupt einen Einfluss auf das, was Andere denken?
Wollen wir überhaupt Einfluss haben? Müssen wir uns auf irgendeine Weise in deren Vorstellung, Erwartung präsentieren?
Ist es deren Leben, dass wir zu leben haben… und unseres?

Ich meine…
…ein ehrliches Feedback mag vielfach eine Hilfe sein. Nicht zuletzt, um uns zu entwickeln.
Aber wir müssen ganz sicher nicht ein "fauliges" Ja vorschieben, nur um irgendjemandes Ansprüchen gerecht zu werden!


Ich selbst habe da… na sagen wir mal 3 "Stufen" durchgemacht.

1. Ich hab auch mit diesen halbseidenen Ja´s um mich geworfen, in der irrigen Meinung, stets und schier jederzeit mein "Bestes" geben zu müssen. Dass ich eigentlich der Anderen Wünsche, Vorstellungen, Erwartungen zum Besten genährt hatte, wurde mir da noch nicht klar!

2. Irgendwann kam ich langsam auf den Trichter, dass dieses unehrliche Ja und das ehrliche Nein durchaus was Greifbares, Authenthisches hatte. Trotzdem aber war ich immer noch sauer, wenn ich "die Karten" sozusagen aufdecken konnte. Wenn man mich also "anlog". Ein klares, einfaches Nein wäre mir immer noch am Liebsten gewesen. Aber ich änderte zumindest meine Einstellung, mein Verhalten schon.

3. Jetzt nunmehr geschehen manchmal immer noch solche Dinge, dass ich unehrlichen Ja´s begegne. Wohl nicht ohne Grund. Wohl… oder grade mit ehrlichen Nein´s jedoch kann ich schon seeeehr gut umgehen. Es IST eben so. Auch wenn es ab und an immer noch so ein kurzes emotionales aufflackern gibt… ich habe mittlerweile erkannt, dass dieses Nein eine nicht abänderbare Sache ist. Zumindest für diesen Moment. Also weshalb hier Energie hineinpulvern, wo es zu keinem Ergebnis kommt?

Was sich allerdings grundlegend geändert hat, dass die Annahmen, Vorstellungen, Erwartungen … schon schier automatisch immer weiter zurückgehen. Teils schon verschwinden. Und aus der Begegnung heraus, einer offenbaren Resonanz zwar durchaus Nein´s kommen. Aber sie berühren mich nicht. Ich nehme sie genau so an. Und gut!


Es wäre kein Achtsamkeits-Beitrag, wenn ich da nicht wieder eine kleine Hausaufgabe für Euch hätte liebe LeserInnen!

Im Sinne einer Ehrlichkeit, einer Authentizität und Verantwortung uns selbst gegenüber schon einmal…
…möchte ich Euch herzlich einladen, die nächsten Tage diesbezüglich einmal sehr achtsam zu sein!

Versucht einmal besonders auf Euer Denken und Handeln zu achten! Wie oft überrumpelt, ja eigentlich bescheißt… Ihr Euch mit einem faulen Ja… anstelle eines knappen, ehrlichen Nein…!?

Nur einmal bewusst machen bitte!
Nicht womöglich gleich wieder in die Be- oder Verurteilungsschiene verfallen, die grade in solchen Dingen sehr leicht zur Hand ist.
Wie oft, hilft hier einmal aufschreiben!
Das können nur Stichwörter sein… Wichtig aber, hier auch die Situation, das Umfeld dazu zu notieren, damit man später noch auf mögliche versteckte systemische Wirkungen achten kann.

Und… wer eine "Fleißaufgabe" machen möchte, ist herzlich eingeladen, auch einmal die Kommunikation zum Gegenüber achtsam wahrzunehmen!

Für die ganz "Mutigen" gilt selbstverständlich: Wenn dann ein ehrliches Nein grade ansteht… Dann raus damit! Vielleicht wird manchmal dann ein nicht deutbares Zucken im Gesicht entstehen, Augen werden groß…

Aber zieht es durch!
So aufrüttelnd, "erschreckend" hier plötzlich ein Nein auch wirken mag… Solange dies ein zutiefst ehrliches Nein ist, wird es ganz sicher authentischer wirken, als ein faules Ja! Ihr selbst werdet Euch in einem neuen, anderen Licht darstellen!
Ein starker Schritt auch zum Selbstbewusstsein.


In diesem Sinne liebe Leserinnen und Leser…
…wünsche ich Euch viel Spaß mit diesem neuen Baustein des "Lebensspiels Achtsamkeit".

Ich freue mich sehr, wenn mir auch jemand Feedback dazu gibt! Wie es ergangen ist! Was da in dem jeweiligen Menschen geschehen ist, gedanklich wie emotionell.
Ein für Manche neuer Weg, ich weiß!
Aber was soll denn groß passieren?
Das Einzige, was passieren kann, ist, dass man wieder in den alten Trott zurückfällt.
Wollen wir das?

Ein ehrliches Nein… oder ein faules Ja?

Habt noch ein schönes Wochenende!
Bis bald…

Euer
Ernold Prinz

(Lifecoach, psycholog. Berater)

 

PS: Wer die vorherigen Beiträge nicht gelesen hat / erst jetzt "eingestiegen" ist…  Die Blogs sind gerne nachzulesen unter: https://www.das-neue-ich.com/meine-blog-insel/ … oder zusammengefasst auf der Projekt-Seite  https://www.das-neue-ich.com/projekt-achtsamkeit-im-taeglichen-umgang/

 

Bildquelle: Pixabay – Beitragsbild gesamt (C) Das Neue Ich

 

 

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