Miteinander reden

Herzlich willkommen zum Blog-Beitrag „Miteinander reden“.

 

Neuerlich greife ich ein Thema auf, dass mir in letzter Zeit immer präsenter wurde. Vielerort wird viel gejammert, bemängelt. Bis hinauf zur Politik, werden Systeme angegriffen. Doch weder innerhalb noch außerhalb dieser Systeme findet ein wichtiges Detail statt: die „richtige“ Kommunikation. Ein „Miteinander reden“ findet nur mehr in einer zurechtgestutzten, vernachlässigten Weise statt.

Vielleicht wird sich jetzt gleich vorweg so Mancher fragen: „Was gäbe es hierzu zu berichten, schreiben?“
Eine Menge!

Im Übrigen: Wer sich ein wenig zu Kommunikation einlesen möchte, hier der Link zu Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation

Für heute darf ich dazu einen winzigen Bereich herausgreifen. Nämlich den Bereich der „Fantasien“. Ich möchte hier ganz bewusst den Begriff „Fantasien“ anstelle von Interpretationen verwenden. Denn genau das sind sie zumeist.

Jeder weiß, was Fantasie ist. Vielleicht weniger Menschen haben diesen Begriff noch in eine Verbindung, Relation zur Kommunikation gebracht. Außer die hinlänglich bekannten „Märchenonkel“ vielleicht…

Und das wollen wir heute einmal tun!
Nicht zuletzt, um hier eine große Denk- und Problemfalle zu verdeutlichen bzw. einen Lösungsansatz zu liefern! Und wie oft wiederum liegt dieser in einer ganz einfachen Handlung 😉

Tauchen wir also ein ins große Reich der Kommunikation und erlauben wir uns ein „Miteinander reden“. Die Betonung liegt hier vor allem auf das tatsächliche miteinander.


Das „Vorgeplänkel“:

Bevor wir in das Reich der Fantasien eintauchen, eine kleine „Erklärung“ vorweg. Was geschieht in der Kommunikation?
Zwei oder mehrere Menschen kommunizieren miteinander. Beschränken wir uns hier nun auch rein auf die verbale Kommunikation.
Mensch A tätigt also eine Aussage, er ist „Sender“. Mensch B empfängt diese, er ist Empfänger.
Brechen wir der Einfachheit halber hier also noch einmal herunter und lassen auch noch die verschiedenen Ebenen einer Sende- und Empfangmöglichkeit (Modell v. Thun) weg.

Der Empfangsvorgang teilt sich rudimentär somit in 3 Bereiche auf:

  1.  Das Empfangen
  2.  Das Interpretieren
  3.  Das Fühlen

Ein Beispiel:  Mensch A sagt/fragt beim Mittagessen: „Was ist denn das Grüne in der Suppe?“ Legt dabei vielleicht noch (zumeist unbewusst) z.b. ein leichtes Stirnrunzeln an.
Mensch B empfängt nun.

  1.  Die Nachricht wird empfangen. Der „sachlliche“ Sachverhalt ist noch klar: Es ist etwas „Grünes“ in der Suppe.
  2. Das Stirnrunzeln nun … in Kombination mit der Aussage/Frage … was nun interpretiert der Empfänger? Neugier des Senders? Oder eher Ärger, Missfallen? Anderes?
  3. Je nachdem nun, wie der Empfänger nun interpretiert, wird das folgende Gefühl ausfallen. Freude an der Neugier. Oder selbst auch die Neugier könnte negativ ausgelegt werden. Erst recht dann ein Missfallen. Die Abwärtsspirale der emotionellen Ladung dreht sich auf Höchsttouren.

 

Miteinander reden - Die Rückmeldung

Wird hier bereits deutlich worauf ich hinaus wollen könnte? Vor allem in punkto Fantasien?
Es erfolgt – aus welchem Grund auch immer – keine saubere Trennung der Bereiche, sondern alles wird in einen Schmelzpott geworfen. Was dabei herauskommt ist selten produktiv.

Zugegeben als Beisatz…  Richtig problematisch wird es, wenn jegliches Feedback verweigert/unterdrückt wird. Dann steht man als Sender wie der berühmte „Ochs vor´m Tor!“. Nicht umsonst jedoch wird das bekannte „hartnäckige Schweigen“ im psychologischen Sinn als eine der härtestens Formen einer Ignoranz eingereiht. Zumindest ist es aus der Metaperspektive jedoch ein klares Anzeichen, dass der Empfänger in seiner Fantasie/Interpretation zu bleiben gedenkt.

 

Die Fantasien und deren Realisierung:

Speziell nun der Bereich wiederum, wo der Empfänger mit seiner Interpretation beginnt, stelle ich nun ein enorm wichtiges Fakt vor:
Jegliche Interpretatition, jegliche Fantasie zur empfangenen Nachricht, stammt als Empfänger VON MIR SELBST!!! Ich selbst bin nun derjenige, der eine Nachricht und deren Inhalt als solche annimmt… oder mitunter z.B. ein Drama draus macht!!!

Wenn ich – aus welchem Grund im Moment auch immer (sei es Tagesverfassung, Wetter, Vergangenheit u.v.m.) – beschließe, die Aussage/Frage des Gegenübers sowohl positiv wie auch negativ (und das gesamte Spektrum dazwischen) zu interpretieren, dann ist das MEIN DING!!!
Nicht die Angelegenheit meines Gegenübers als Sender!
Was immer ab diesem Moment nun geschieht… Es liegt in MEINER Hand, hier die Weichen zu stellen!

ENTSCHEIDE ich mich, die Aussage/Frage positiv zu interpretieren, dann wird die weitere Kommunikation mitunter ebenso positiv verlaufen … oder unter Umständen sogar beim Gegenüber eine positive Veränderung bewirken (systemisches Wirken).
ENTSCHEIDE ist mich jedoch, ins Negative zu interpretieren, dann wird ab sofort sämtlicher Rest eines Geschehens folgen.

Welche zwei Möglichkeiten liegen somit schier auf der Hand?

Möglichkeit A: Ich lasse es bei der Aussage bewenden, empfange/interpretiere/fühle eben was ICH will. Und das weitere Geschehen nimmt genau so seinen Lauf.

Ooooooder…

Möglichkeit B: Wenn ich mich nicht ausschließlich auf meine Interpretation verlassen, sondern wissen will, wie es mein Gegenüber tatsächlich meint… ja dann bin ich jetzt bei der einfachen Lösung: TUN!
Nämlich NACHFRAGEN!
So einfach gehts! Wir sind es nur längst nicht mehr gewohnt, denken zu kompliziert!

Und ich lege jetzt noch ein obendrauf: Es geht in der gesamten Kommunikation nicht darum, allfällige Fantasien – also Interpretationen – auszuschalten! Ganz sicher nicht!
Doch wohin deutet genau dieses Statement?

Es darf einfach vermehrt überprüft werden!

Und das übernimmt kein Anderer, kein Smartphone, kein PC. Ja nicht einmal der berühmte alte Mann mit Rauschebart da oben im Himmel!


Die Gefahren der Fantasien:

In einer heutigen, sehr schnelllebigen Zeit voller vermeintlicher Anforderungen, Bewertungen, Verurteilungen, Objektdenkens, mitunter auch einer zunehmenden Digitalisierung, scheint eine gute interessierte Kommunikation immer mehr abhanden zu kommen.
Für unzählig viele Dinge im Leben scheint „keine Zeit“ mehr vorhanden zu sein. Die „Komfortzone“ wird immer mehr ausgeweitet.
Gleichzeitig nun wundern wir uns jedoch über immer mehr Konflikte.

Diese Fantasien an sich sind wunderbar! Sie verdeutlichen einmal, auf welch wunderbar vielfältige Weise wir durchs Leben gehen. An sich nun machte diese Vielfalt uns Menschen so einzigartig und interessant. Und doch lassen wir genau dies verkommen.

Gleichzeitig gibt es durch diesen steigenden Unwillen einer Hinterfragung, einer Realisierung solcher (eigenen) Fantasien eine große Gefahr:
Sie nennt sich „Isolation“!

Miteinander reden - Isolation

Was nämlich wird über einen längeren Zeitraum passieren, wenn wir nicht bereit sind, zu realisieren, überprüfen… ggf. zu korrigieren…?
Und ich erinnere nun noch einmal ganz bewusst daran, wie oft wir allein an einem Tag Aussagen eines Gegenübers empfangen und interpretieren und danach dann fühlen und unser Verhalten ausrichten!!!

Wenn wir also – vermehrt bis ausschließlich – nur mehr unsere eigenen Fantasien (hinein)interpretieren, dann erschaffen wir damit eine Art „eigene Welt“. Eine Welt, die weder geprüft noch anderen Realitäten gegenübergestelllt ist.
Wenn wir nicht überprüfen, ob UNSERE Fantasie zutreffend oder unzutreffend ist, erschaffen wir unsere eigene Isolation. Und je nach Muster, kann sich daraus eine „selbsterfüllende Prophezeiung“ entwickeln.

Was ist das wiederum? Eine „selbsterfüllende Prophezeiung“ nennt man ein Verhalten, bei dem man schon zuvor eine gewisse Annahme, Erwartung auf ein Ereignis in sich trägt  – gedanklich wie handlungstechnisch. Und aufgrund dieser Annahme, Erwartung – und daraus resultierenden Denk- und Handlungsweise, verhalten wir uns unbewusst genau so, dass dieses erwartete Ereignis letztlich genau so oder sehr ähnlich, gradezu eintreffen muss! Wir programmieren uns selbst also mitunter auf Erfolg … oder auch Misserfolg!

Zudem würde ich just an dieser Stelle auch deutlich hervorheben wollen, dass auch diese Art der „mangelnden Kommunikation“, des „Miteinander reden“, sehrwohl letztlich zu Stress führen kann. Und Stress trägt wiederum seinen Teil in Richtung Burnout bei. Ein Kreis schließt sich.

Beispiel:
Unser lieber Alfred besucht seine Nachbarin, vermutet dabei jedoch gleich: „Bestimmt nerve ich die Nachbarin!„.
Diese Fantasie nun – nicht auf ihre tatsächliche Wahrheit überprüft – beeinflusst das Verhalten des Alfred.
durch den Zweifel, dass er wohl nicht willkommensei/nerve, geht seine innere Ruhe, seine Begeisterung, zum Teufel. Sein kurzer Besuch wird halbherzig, an eine angenehme Atmosphäre ist nicht zu denken.
Spätestens nach mehreren solchen „zweifelhaften“ Besuchen wird sich die Nachbarin wahrscheinlich wirklich genervt fühlen!

(Auch selbst diese meine Aussage ist nach dem Stand eine Interpretation/Fantasie und noch auf keine Wahrheit überprüft!)

Grundlegend jedoch im Sinne eines systemischen Wirkens, durchaus plausibel.

Behalten wir diese Fantasien für uns und überprüfen sie nicht, unterbrechen wir den kommunikativen Kontakt und schließen uns sozusagen in unserem eigenen Käfig ein.
Viele Menschen bleiben in diesem Käfig gefangen, leiden jedoch gleichzeitig an sogenannten „oberfächlichen“ oder gar keinen Beziehungen. Denn… auch hier im Sinne systemischen Wirkens ist klar, dass diese Menschen – zumindest auf Dauer – keine kommunikativen Menschen anziehen oder halten werden. Interessanter Weise nur fühlen sich viele Menschen wohl in ihrem Käfig. Denn eine bewusste Auflösung, jeweilige Überprüfung, bedeutet Mehraufwand. Und DEM wiederum will man sich tunlichst nicht aussetzen!

Was wäre eine ganz simple Lösung in diesem Fall für unseren Alfred?
Na?
Vielleicht, dass er bei der Nachbarin anläutet und sie schlicht und einfach fragt, ob ein kurzer Besuch grade passt?

Nur… hat der liebe Alfred dazu genug „Mumm“ in der Hose? Oder ist es letztlich eine Angst vor dem vermeintlichen „Versagen“, der „Ablehnung“…?

Wenn man heutzutage hin hinaussieht unter die Menschen, möchte man nicht meinen, wieviel „Angst“ hier in diesen steckt. Welche Mängel hier berührt werden… und das Leben z.B. auf diese Weise aufmerksam zu machen sucht.

„Sieh hin! Kläre das! Und setze es um. Denn mehr als 4 Buchstaben können nicht zurückkommen!“ Was jedoch, wenn es im „Idealfall“ 2 Buchstaben werden? Wenn wir es aus Angst vor 4 Buchstaben unterlassen, werden wir es nie feststellen, ob auch nur 2 hätten draus werden können!


Die Weichen der Kommunikation:

Im Sinne dieser jeweils anstehenden Entscheidung über Isolation oder Kontaktaufbau, ist diese eminent wichtige Schaltstelle in der zwischenmenschlichen Kommunikation nicht zu umgehen!
Es gibt nur diese beiden Wege: Isolation oder Kontaktaufbau.

Wollen wir also „Miteinander reden“?

Zu jedem Zeitpunkt stehen wir also vor der Entscheidung:

Käfig oder Brücke bauen.

Miteinander reden - Fantasien innerer Vorgänge

Unser Alfred kann also so weitermachen, sich seinen Käfig basteln, indem er annimmt, dass er seine Nachbarin nerve.
Er kann sie aber auch fragen und so seine Fantasie auf ihre Richtigkeit prüfen.
Käfig oder Brücke.

So. Nun ein Denkanstoß:
Was nun, wenn die liebenswerte Nachbarin zum Beispiel antwortend zum Ausdruck bringt, dass es momentan nur grade unpassend sei, Alfred aber z.B. am nächsten Tag mit Kuchen vorbeikommen möge, sie bereite den Kaffee zu?
Wäre das dann möglicherweise genug „Anreiz“ für eine „neue Art“ von Fantasie? Gleichzeitig vorerst verbunden mit der Ablehnung für den Moment… In dem Fall nun läge es erneut an Alfred, sich für Käfig oder Brücke zu entscheiden. Ein ständiges Wechselspiel also. Für beide.

Was jedoch ist es in keinem Fall?
Käfig!

Hier kann ganz klar eine Brücke erbaut werden, die viele neue Wege eröffnet!

Miteinander reden - Brücken bauen


Eine kleine Übung gefällig?

Gehen Sie einmal kurz in sich…
Bestimmt fällt Ihnen eine Situation ein mit einem Menschen, wo gar ein oder mehrere „ungute Gefühle“ bestehen. Nehmen Sie ruhig eine „leichte“ Situation, wie zum Beispiel bei Alfred.
Verinnerlichen Sie ruhig dieses Gefühl, sodass Sie ganz in dieser Rolle/dem Moment sind.

  1. Und nun schlüpfen Sie in die Rolle genau dieses gemeinten Menschen (zu dem ungute Gefühle bestehen) und beschreiben, was dieser Mensch über SIE denken und fühlen mag. Nehmen Sie sich kein Blatt vor den Mund!
    Versuchen Sie also einmal, aus einer anderen Perspektive zu sehen!
    Nur Mut – das kann sogar Spaß machen… und lehrreich sein!
  2. Gehen Sie wieder aus der Rolle des Anderen – nehmen wieder Ihre Rolle wahr.
    Überlegen Sie nun, ob und wie es passend sein könnte, diese (Ihre) Realität/Fantasie über ihr „ungutes Gegenüber“ auf Realität zu überprüfen!
    Keine Sorge – dies ist nur ein Rollenspiel! Hier darf Ihre Fantasie freien Lauf nehmen! Seien Sie kreativ!
  3. Fassen Sie anschließend kurz zusammen. Welche Erfahrungen haben Sie bei diesem „Gespräch“ gemacht, so es zu einem gekommen ist (in diesem Rollenspiel)?
    Welche Gefühle/Emotionen sind in Ihnen wach geworden? Wie sind Sie damit umgegangen?


Eines darf ich nun zur Abrundung dieses Blog-Beitrages noch anregen…


Die Verantwortung des Empfängers für seine (eigene) Reaktion:

Wenn ich nun in meiner Darstellung also keinen Fehler begangen habe, könnte nach den Ausführungen deutlich geworden sein, dass die Reaktion des Empfängers auf die jeweils erhaltene Nachricht, immer zu einem großen Teil sein eigenes Werk ist!!!

Ich erinnere an die Entscheidung: Käfig oder Brücke! Welches der beiden will ich leben?!

Es ist also in jedem Fall angemessen, wenn der Empfänger seinen Teil der Verantworung für allfällige Gefühle und Reaktionen übernimmt und sie nicht dem Sender (allein) aufbürdet.
So nach einem Motto: „Jetzt schau, was Du angerichtet hast!“

Ein kurzes und krasses Beispiel zur besseren Verdeutlichung: Mein Chef ist übellaunig, gereizt, unachtsam… und wirft mir an den Kopf: „Du bist ein Vollpfosten!“

So.
Tolle Sache?
Nein.
Und jetzt kommt es ganz genau auf mich an!
Wie reagiere ich?
Käfig oder Brücke?

Entscheide ich mich für Käfig, spinne ich mir mein Konstrukt im Oberstübchen zusammen, überprüfe nicht, erkläre also gleich retour den Chef auch zum Vollpfosten…  Richte mein Denken und Handeln danach aus. Im „besten Fall“ kommt es zu einem tierischen Krach.

Als wichtige Anmerkung: Augenscheinlich nicht antworten ist auch keine Lösung! Wir können nicht nicht kommunizieren! Der Prozess läuft also auch ohne Worte entsprechend ab!!! Dieses oft verwendete „Schmollen“, „nicht-reden“ lässt zwar in gewisser Weise nur Interpretation zu…  Lässt andererseits jedoch mitunter im Gesamtbild noch viel tiefer blicken, als man glauben könnte!

Entscheide ich mich für das Brücke bauen, „Miteinander reden“… ja dann werde ich bei meinem Chef zumindest einmal nachfragen, was genau er damit meint. Ich werde also möglichst tief durchatmen, sachlich bleiben und erst einmal auf Realitätsforschung gehen.
Ich übernehme somit die Verantwortung für MEIN Denken und Handeln als Empfänger!

Was geschieht in der Regel?
Wenn Emotionen schnell einmal hochkochen, sozusagen der berühmte „Schuss aus der Hüfte“ zurückgefeuert wird, dann sind wir rasend schnell in einer Täter-Opfer-Rolle!
Es wird dann ebenso schnell Tribunal über Schuld und Recht gehalten. Bewertet, verurteilt, vollstreckt. Teils unhaltbare Gräben werden aufgetan, die sich zu späterer Zeit noch negativ miteinbringen.

 

Die Opfer-/Täter-Rolle:

Der Sender ist also – nicht zuletzt wieder aus einer Bequemlichkeit heraus – sehr schnell zum Täter gemacht! Die Herausforderung liegt genau darin, dies nicht zu tun! Seine Verantwortung zu übernehmen.
Für das eigene Verhalten! Und nur für dieses! Also nicht in eine Opferrolle zu gehen, sondern insbesondere auf meine Gedanken, Gefühle und Handlungen (Reaktionen) achten.
Und der Vollständigkeit halber möchte ich anführen, dass dieses nicht miteinschließt, tatsächliche Ausbrüche eines Menschen über längere Zeit mitttragen zu müssen!
Da wären wir schnell in einer Symptomatik z.B. eines Mobbing! Es gehören immer zwei dazu! Einer der ausbricht… und einer der „mit sich ausbrechen lässt“!
Dies aber wiederum ist ein eigenes Kapitel!

An dieser Stelle tritt die Wichtigkeit eines sogenannten „Feedback.
Auch dies ist ein eigenes Kapitel.
Nur soviel dazu als wichtige Info: Feedback ist nach dessen eigener „Regel“ freiwillig! Wenn mein Gegenüber, welches grade ausbricht, nicht offen ist für ein Feedback, nicht darum ersucht, dann ist man als Feedbackgeber in der Situation, dieses auch nicht zu geben! Und wenn ich´s mir zehn Mal auf der Zunge zerbeißen muss…!

Ausnahme: Wenn nun vorig erwähnter Chef grade einen seiner Ausbrüche hat, muss ich dies nicht völlig unkommentiert hinnehmen.
Wichtig an dieser Stelle ist, dies nicht in „Du-Form“ zu äußern, sondern – wie vielfach positiv in der Kommunikation – in „Ich-Form“! Selbst… oder grade in so brenzligen, unangenehmen Situationen hilft ein wirkliches „Miteinander reden“! Selbst… oder grade DADURCH können wir viel Konflikte und Energieverschwendung vermeiden!

Falsches Beispiel:
Du gehst / Sie gehen mir mit Ihren Ausbrüchen auf den Nerv!
Das „Du/Sie“ und diesem Inhalt begibt sich beinah automatisch auf eine Art „Anschuldigung-Schiene“. „Du bist, tust, …. etc.“ „Das ist der Grund, weshalb ich….!“

Richtiges Beispiel:
Ich fühle mich durch Deinen/Ihren Ausbruch verletzt, gestört, genervt, abgelenkt….!
Sie beschuldigen also nicht das Gegenüber, machen nicht zum Täter (auch wenn es augenscheinlich so schiene), sondern Sie geben von sich selbst und Ihr Befinden in diesem Moment preis. Sie geben dem Gegenüber die Chance, zu revidieren. Ob er/sie es nun tatsächlich tut, oder nicht, ist zweitrangig.
Sie legen den ersten Schritt zum Brückenbau!

 

Das Verständnis:

Wenn wir diese „Kommunikations-Mechanik“ verstehen und anwenden lernen, dass Sätze wie „Du bist blöd, faul, etc.!“ schier automatisch eine Täter/Opferrolle herstellen…
Wenn wir erkennen, dass selbst Sätze wie „Du bist nett, eine Unterstützung, etc.!“ unterschwellig zumindest einen Bewertungscharakter haben und kein „Miteinander reden“ sondern Objektdenken sind… Und wenig bis gar nichts über mich (als Sender) und meine Einstellung zum Anderen aussagt… Dann sind wir schon auf einem wertvollen Weg zum „Miteinader reden“.
Gebrauche wir hingegen Aussagen wie „Ich fühle mich verletzt!“ oder im Gegensatz „Ich fühle mich angezogen!“…
Ja dann kommt hier sehr klar zutage, was wir über uns selbst und unsere Einstellung zum Gegenüber aussagen. Es lässt sich auch bessser klären, welche Anteile jeweils zu mir gehören und welche zum Gegenüber.

Ganz heikel mag diese Du-Botschaft werden, wenn wir für den Anderen Interpretationen, sogenannte „Diagnosen“ stellen.

Beispiel:Du vermeidest Kontakte, baust Dir einen Schutzwall auf, um letztlich nicht verletzt zu werden. Aber schlussendlich hindert es Dich daran, eine gute Beziehung eingehen zu können!

Diese Interpretation, Diagnose, man durchaus richtig sein… oder eben auch nicht.
In jedem Fall liegt jedoch die Begleitbotschaft („Ich weiß, wie es Dir geht/was mit Dir los ist!„) bei und ist für den Anderen – bewusst oder unbewusst – meist unannehmbar. Das ist eben kein „Miteinander reden“ sondern Feststellung, Bewertung, Annahme.
Wie oft jedoch tätigen wir solche „Diagnosen“ ohne auf einen Wahrheitsgehalt zu prüfen?
Wie leicht wiederum lehnen Menschen eine solche „Überprüfung“ ab, da sie dann mitunter „zugeben“ müssten, dass es wahr ist. Dass es ihnen nicht so gut geht? Wie sehr sind solche vermeintliche „Unzulänglichkeiten“ in einer heutigen Leistungsgesellschaft nicht mehr gerne gesehen!? Miteinander reden wird oft nur mehr auf Wirtschaftlichkeit (in verschiedener Auslegung) begrenzt.


Miteinander reden also liebe LeserInnen!

Ein schier unendlich großes Thema!
Gleichzeitig jedoch schier unendlich Chance, ein zwischenmenschliches Begegnen auf ein höheres Level zu heben.

Wie immer eine Frage des Willens, der Entscheidung!

Nicht nur Käfig oder Brücke.
Sondern raus aus der Komfortzone…  oder ganz einfach LEBEN…

Miteinander reden - Komfortzone

Sollte dieses Thema Ihr weiteres Interesse geweckt haben und Sie sich gerne einmal auf ein kleines „Kommunikations-Abenteuer“ einlassen wollen, um letztlich Ihre Lebensqualität anzuheben, dann melden Sie sich gerne zu einem Kennenlerngespräch an!     https://www.das-neue-ich.com/Kontakt

Ihr
Ernold Prinz
psycholog. Berater, Lifecoach,
Stressmanagement und Burnoutprävention

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