Enttäuscht – was habe ich erwartet?

Enttäuscht – was habe ich jedoch erwartet?
Jaaa… DASSSSS ist allerdings eine Frage, die wir uns höchst ungern stellen!!!


Willkommen zu Beitrag 7 der Achtsamkeits-Serie!


Enttäuscht sein…
…ja das passierte uns wohl allen schon einmal. Oder auch öfter…

 

Wollen wir uns mal eben kurz die Definition der "Enttäuschung" ansehen?

Eine Enttäuschung bezeichnet das Gefühl, einem sei eine Hoffnung zerstört oder auch unerwartet ein Kummer bereitet worden.
Das zugrundeliegende Verb enttäuschen wurde im 19. Jahrhundert als erfolgreiches Ersatzwort für die aus der französischen Sprache entlehnten Fremdwörter „detrompieren“ (détromper) und „desabusieren“ (désabuser) gebildet.
Es hatte zunächst die positive Bedeutung „aus einer Täuschung herausreißen“, „eines Besseren belehren“.
Der negativen Bedeutung von „täuschen“ folgend, entwickelte sich der negative Sinngehalt als „einer Erwartung nicht entsprechen“.
Am Rande taucht in diesem Zusammenhang auch der Begriff der "Desillusion" auf…

(Quelle: Wikipedia). Bei Interesse mehr nachzulesen unter https://de.wikipedia.org/wiki/Entt%C3%A4uschung


Also ich hatte nie das Vergnügen, Französisch zu lernen…
…also erspare ich mir jetzt jegliche Vermutung, wie das Eine zum Anderen geführt hätte.

Viel interessanter scheint mir allerdings tatsächlich die Darstellung, dass der Begriff "Enttäuschung" ursprünglich tatsächlich eine positive Bedeutung hatte! Sieh mal einer an!
Allerdings folgte der Mensch – wie oft im Leben – eher mehr der negativen Auslegung. Und wörtlich hier sogar zitiert: "Einer Erwartung nicht entsprechend!"
Bloß…: aus welchem Grund schon wieder "negativ"…?

BAAAAAMMMMMM!!!!


Das schlägt aber ja so richtig richtig ein!


Eine Enttäuschung also…
…oder wie ich sie gerne schriftlich ausdrücke: Ent-Täuschung!

"Ent-…" Also aus etwas heraus. In dem Fall – aus der Täuschung heraus.

Wir bräuchten also das berühmte "Rad" nicht neu zu erfinden…, sondern einzig halt wieder so verwenden, wie es zuvor offenbar schon geschah!


An sich könnten wir somit dieses Thema beschließen…
…und lauthals jubeln, über jede einzelne Enttäuschung, die uns begegnet!!!
Wir sind sie los – die Täuschung! Juhuuuuuuu!!!


Wenn es denn so einfach wäre…!


Ich komme an diesem Ansatz nicht umhin, als das Thema mit dem "Vertrauen" mit "ins Boot" zu holen!

Es ist offenbar auch so eine gewisse Eigenart – zumindest der deutschen Sprache – dass gewissen Dingen Vorsilben beigegeben werden.
In dem Sinne nun das "Ver-…"

Wie ist so das Gefühl, wenn man mal eintaucht in Begriffe wie "ver-bauen", "ver-rücken", "ver-schieben", "ver-hängen", "ver-wirken", "ver-ändern"…?

Also ich spreche jetzt rein für mich… Jedoch bekommt jegliches Wort durch dieses "ver-…" nun irgendwie einen unangenehmen Beigeschmack.
Gleiches nun also auch mit dem "ver-trauen"!

Baue ich etwas… oder "ver-baue" ich (mir) etwas?
Rücke ich etwas… oder "ver-rücke" ich etwas?
Ändere ich etwas… oder "ver-ändere" ich?
Wirke ich… oder "ver-wirke" ich?

Traue ich etwas zu… oder "ver-traue" ich?

Ja. Mag mich mancher nun für einen Idioten halten, für einen Pedanten, Wortklauber, "Verkomplizierer", Spinner…

Doch… Entschuldigung!
Wir sprechen hier von ACHTSAMKEIT!

Ganz und gar nicht von täglichem, irgendwie dahinwursten, phrasendreschen wie seit eh und je!


Könnte es also durchaus sein, dass sich – durch ja zumeist einfach unbewusste, ungeprüfte Übernahme eines Sprachgebrauches (freiwillig oder nicht) – hier doch Ausdrucksweisen verbreitet haben, die – wie auch in der Definition dargelegt, irgendwann einfach einen negativen Touch annahmen?
Ich würde dem ja nicht einmal Vorsatz unterstellen wollen!
Aber eben… wie aus einer längerfristigen Unachtsamkeit halt irgendwann Dinge entstehen!

Und in diesem Sinne könnte es sich eingeschlichen haben, dass ich mit dem Begriff "Vertrauen" zwar irgendwie noch etwas positives meine…
…der Sprachgebrauch – auf zumindest unbewusster Ebene – jedoch in eine konträre Richtung lenkte!
Es findet also eine Inkongruenz (eine Deckungsabweichung zwischen "was ich meine" und "was ich sage") statt, ohne das wir uns dessen bewusst sind!

Und heraus kommt?

Na?

Oftmals eine Ent-Täuschung!

Naja logisch!

Weshalb?

Passend also die berechtigte Frage:

Enttäuscht


Nun… der Definition… und auch meinem tiefen inneren Gefühl folgend, setzen wir doch zum Beispiel grade beim "Ver-Trauen" voraus, dass die Person, in die das Vertrauen gesetzt wird, die Erwartung erfüllt und dieses Vertrauen nicht missbraucht!

Ja oder Ja…????????

Wir haben erwartet! In jeglicher Hinsicht! Unbestreitbar!


Nur was geschieht hier dann in weiterer Folge?

WIR sehen nicht, erkennen nicht, dass es im Grunde unsere Vorstellung, Hoffnung (und all das andere Zeugs, welches über die ursprüngliche Erwartung gerne ein schönes Deckmäntelchen wirft) ist!
Unsere!
Ein verletztes Ego, ein schon lange verletztes und vernachlässigtes inneres Kind jedoch schreit dann auf!

DER / DIE hat mein Vertrauen missbraucht! Hölle und Verdammnis!
Welch teils gravierende Dramen tun sich hier auf!
Heftigste Schuldzuweisungen in alle möglichen Richtungen werden losgestreten. Und jetzt nicht nur gegen Personen. Alle möglichen Dinge werden hier verurteilt. Sogar ein Gott wird teilweise als Schuldiger herangezogen.

Doch… IST DAS SO…???

WER hat gewisse Vorstellungen, Erwartungen, Hoffnungen, und… und… und…???

Wenn, dann bin jeweils ich das! Nur ich!

Ja klar… mein Gegenüber wird mitunter auch seine Vorstellungen, Erwartungen, Hoffnungen u.v.m. haben. Aber das sind seine!
Interessant bzw. heftig wird es dann allerdings, wenn diese Vorstellungen, Erwartungen, Hoffnungen nicht nur im Gleichklang schwingen, sondern im "ungünstigen" Fall es zu Überschneidungen, Kollisionen kommt!
Dann krachts im Gebälk!

So am Rande bemerkt:
Auch hier grenzt menschliches Verhalten schon beinah an eine Art "Perversität":
Denn im Grunde nun hat jeder seine Vorstellungen, Erwartungen.
Wir sind ganz einfach seit unzähligen Generationen so erzogen, angepasst worden. Das ist nicht erst seit letzter Nacht in unseren Gehirnen!
Allerdings…: wenn wir uns denn bewusst machen, dass wir solche Vorstellungen, Erwartungen haben…
…aus welchem Grunde überprüfen wir zuerst nicht einmal, ob wir diese Vorstellungen, Erwartungen uns selbst gegenüber einhalten, ausführen…?

Na…?

Und dann… wenn wir an Andere "herantreten", da meinen auch viele, das jeweilige Gegenüber kanns riechen, schmecken… ist gar Gedankenleser!
Anstelle wir dann zumindest darüber kommunizieren… neiiiiiiin…
…da erwarten wir lieber weiterhin, stellen uns vor, hoffen, glauben…!
Wenns dann nicht passt, dann gibt es Donnerwetter, gegebenenfalls "trennt" man sich… vom Partner, vom Mitarbeiter, von diesem und jenem…

…bloß erneut stellt man sich nicht die Frage:

Enttäuscht – was habe ICH erwartet???


Habe ich mich … sowohl mir selbst gegenüber, als auch Anderen gegenüber … wirklich klar ausgedrückt? Und zwar so klar, dass ich nicht von meiner Auffassung von Klarheit ausgehe, sondern der des Gegenübers…?
Wurde alles… und damit meine ich auch ALLES … abgeklärt, gecheckt… oder setze ich insgeheim wieder nur von meinen Maßstäben aus fest?
Habe ich mein Gegenüber wirklich gesamt, mit all seinen Facetten wahrgenommen?
Und wahrscheinlich noch so einiges mehr!

Wir kümmern uns im täglichen Treiben immer so sehr um die Anderen. Und nur die Anderen.

Dabei wirft auch grade dieses heutige Thema sehr deutlich auf, dass sehr viel an Verantwortung hier bei uns selbst liegt!

Das Gegenüber tut nur was es tut.
Nach seinem Dafürhalten, seinem Gutdünken.

Ich hingegen gehe immer nur von mir aus.
Kommt es dann zu einer Ent-Täuschung, so wird sehr klar, dass meine Sicht der Dinge mitunter nicht zur Realität passen. Oder sich zumindest eine andere Realität entwickelt hat, als ICH mir erwartet habe!


In diesem Sinne … dieses Achtsamkeits-Projektes nun also die heutige "Hausaufgabe":

Ich lade Dich herzlich ein, die nächsten Tage zumindest einmal genau zu beobachten!
DICH vor allem, DEINE Gedanken, DEINE Erwartungen, Vorstellungen, Hoffnungen!

Mitunter auch Deinen Sprachgebrauch…, Deine Kommunikation und die Klarheit darin…


Nimm Dir nach Möglichkeit genügend Zeit, um verschiedenste Situationen zu "analysieren", mögliche Erwartungen… von minimalsten angefangen bishin zu großen … aufzudecken!
Die Erwartung dahinter sichtbar zu machen!
Und im weiteren Schritt nach innen zu fühlen, aus welchem Grund nun diese Erwartung in Erscheinung treten könnte!

Zumeist sind dies uralte Muster, die sich unter anderem auf diese Weise immer wieder zeigen im Spiegel des Lebens!

Wird für Dich also die Frage… Enttäuscht – was habe ich erwartet? … nun ein mögliches, cooles Tool, um diesen Denk- und Verhaltensmustern auf die Spur zu kommen?


Ich freue mich, von Dir zu hören!
Wie es Dir dabei erging, welche Erfahrungen Du gemacht hast…!
Ob alleine durch das bewusste, achtsame Beobachten Änderung eingetreten ist… und sei sie noch so unscheinbar…   wink

Bis zum nächsten Beitrag also viel Spaß, viele Momente der Beobachtung und Erkenntnis…
…und eine schöne Zeit!


Dein Lifecoach
Ernold Prinz

 

PS: Wer die vorherigen Beiträge nicht gelesen hat / erst jetzt "eingestiegen" ist…  Die Blogs sind gerne nachzulesen unter: http://www.das-neue-ich.com/meine-blog-insel/ … oder zusammengefasst auf der Projekt-Seite  http://www.das-neue-ich.com/projekt-achtsamkeit-im-taeglichen-umgang/

 


Bildquelle: Pixabay – Beitragsbild gesamt (C) Das Neue Ich

 

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