Lernen oder Gewohnheit…

Lernen, wir um des Lernens willen… oder maximal um Gewohnheiten zu erweitern? Wo läge ein Unterschied?

Und entscheiden wir darüber?

 

Herzlich willkommen lieber Leser, liebe Leserin!

 

Interessante Fragen also, deren Beantwortung einiges an Interpretationsspielraum lässt!

 

Was nun ist Lernen, was Gewohnheit?

Lernen meines Erachtens nach ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Der Erwerb von verschiedenen Kompentenzen. Der wiederum verschiedene Stadien durchläuft.

Gewohnheit hingegen könnte man durchaus als abgeschlossen bezeichnen. Es ist schon ein zumeist automatisierter Vorgang auf eingefahrenen Schienen.


Doch vorerst aber zum Lernen…Lernen oder Gewohnheit

Was meinte ich nun mit den verschiedenen Stadien des Lernens?

Stadium 1: Unbewusste Inkompetenz

Stadium 2: Bewusste Inkompetenz

Stadium 3: Bewusst Kompentenz

Stadium 4: Unbewusste Kompetenz


Klingt jetzt ziemlich protzig, was?

Ein einfaches Beispiel zum leichteren Verständnis dazu:
Autofahren!

Stadium 1: Du weißt nicht nur nicht, wie etwas zu tun ist. Sondern Du weißt auch nicht, dass Du das nicht weißt.
Wenn Du noch nie ein Auto gelenkt hast, dass weißt Du nicht, was zum Lenken zu tun ist. Speziell im Zeitalter des Kindes ist Autofahren ohnehin noch ein Abstrakt – und Du weißt also nicht, dass Du nicht weißt, wie ein Auto zu lenken ist. Es tangiert dich erst gar nicht.

Stadium 2: Du weißt, dass Du etwas nicht weißt… und beginnst bewusst zu lernen.
Du weißt also mittlerweile, dass es Autos gibt, dass man diese lenken kann… aber nicht wie. Du suchst eine Fahrschule auf und beginnst Dir anzueigenen, wie man lenkt, schaltet, dass und wie man den Straßenverkehr beobachtet. Die eignest Dir Kompetenz an. Erinnerst Du Dich noch… an jenen ersten Moment, in dem Du das allererste Mal das Cockpit eines Fahrzeuges vor Dir hattest…? Vollkommen unübersichtlich…?

Stadium 3: Die bewusste Kompetenz.
Jetzt hast Du also das Lenken, Schalten usw. gelernt. Es erfordert zu diesem Zeitpunkt aber noch Deine volle Aufmerksamkeit, Konzentration.

Stadium 4: Dies ist nun eigentlich der Abschluss des Lernens. Ziel der Anstrengung ist die unbewusste Kompetenz.
Damit gemeint ist nicht etwa, dass man wieder verlernte… sondern vielmehr, dass man das Gelernte automatisiert. Zur Gewohnheit macht, in den unbewussten Speicher verschiebt und dort unbewusst auf Bedarf abruft.
Stell Dir vor… Du wolltest Autofahren… und jedes Mal müsstest Du mit vollster Konzentration beim Lenken sein… und hättest für nichts anderes Ressource! Was für ein Theater!
So aber sind gewisse Abläufe in Prozessen im unbewussten Gehirn abgespeichert… und Du wirst kaum noch überlegen, wie Du einen Gang einlegst, wie das Fahrzeug in eine Kurve zu bringen ist…  

Willkommen in der Gewohnheit!!!

Und so geht es nun mit allen Dingen, die wir erlernen! Und mit "allen" meine ich wirklich ALLE!!!

Egal ob es nun losgeht, dass ein Kind das Laufen lernt…, das Essen und zugehörige Benimmregeln bei Tisch…, bis hin zu komplizierten Verhaltensabläufen in einer zwischenmenschlichen Beziehungsebene.

Alles ist abgekupfert vom Umfeld. Erlernt – abgespeichert – automatisiert!


Jetzt darf man ja ganz offen und ehrlich zugestehen, dass diese Automatisierung in bestimmten Situationen durchaus sinnvoll ist!
Doch dieses endlose Geprahle von wegen Multitasking scheint vielleicht großartig…, ist letzten Endes aber im Sinne z.B. der eigentlichen Leistungsfähigkeit unseres Gehirns purer Kinderkram!

Als Beispiel für Dich:

Setzt Dich mal kurz eben hin.
Und klopfe jetzt mit Deiner Hand einen Dreivierteltakt auf Dein Knie.
Cool?

So.
Dann geh bitte im Text dieses Blogs noch einmal ein wenig zurück … und lies Dir die 4 Stadien des Lernens laut vor.
Und anschließend wiederhole mir – ohne hinzusehen – und selbstverständlich den Dreivierteltakt weiter auf Dein Knie trommelnd – den Inhalt der 4 Stadien!

Immer noch cool?

Fein!
Dann folgende Zahlenreihe für Dich.
Lese sie, merke sie Dir…
Selbstverständlich schööööön weiter den Dreivierteltakt kloppen!
Und dann sage mir die Zahlenreihe ohne Fehler auf!
OHNE HINSEHEN… und schööööööön  gleichzeitig weiterkloppen im Dreivierteltakt!
Die Zahlenfolge:   39173949057328405

Wie erging es Dir eben?

Alles komplett astrein funktioniert…?  Oder hat es mitunter deftig geschleudert? War´s gar nicht hinzukriegen? Raucht jetzt da die Denkmurmel zwischen den Schultern?

Gut. Genug "geübt". Alles im normalen Bereich!


Lernen oder GewohnheitUnser menschlicher – vor allem bewusster – Geist ist also dezent beschränkt… um es mal salopp auszudrücken. Mutter Natur hat hier wohl eine besondere Aufteilung getroffen, die genau das ermöglicht, was ist. Nicht mehr – nicht weniger!
Umgekehrt gesehen: Der menschliche Geist wäre mit ständigen voll konzentrierten Abläufen schlichtweg überfordert!
Eine Auslagerung ins Unbewusste, in die "Gewohnheit" ist also schier unumgänglich, oder wir würden jeden Tag am Zahnfleisch daherrobben.
Speziell wenn man bedenkt, dass Untersuchungen zufolge ein voll aktives Gehirn locker um die 20% des gesamten täglichen Energiehaushaltes verputzt! Die Denke allein also burnt hier schon gewaltig was an Energieressource weg! Da hast Du noch wortwörtlich noch keinen Finger bewegt!

Falls es Dich interessiert, hierzu ein bisschen mehr konkrete Info zum Groß-Energieverbraucher Gehirn nachzulesen – hier ein interessanter Artikel:  Energieverbrauch des Gehirns (v. Werner Stangl)


Und Dir aber vielleicht zum "Trost":
Ich habe das Beispiel vorhin auch nicht hinbekommen!

 

Ich hab da aber noch ein anderes Beispiel, welches dies mitunter besser verdeutlicht!
Nochmal zurück zum Autofahren!
Du hattest grade ein Telefonat. Selbstverständlich mit Freisprecheinrichtung!
Kannst Du Dich jetzt tatsächlich noch dran erinnern, was da die letzten Kilometer so wirklich, so im Detail abgelaufen ist? Oder setzt die bewusste Erinnerung erst wieder ein, nachdem Du Dich vielleicht noch erst abregen musstest, da das Telefonat grade alles andere als angenehm war?
Gasfernsehen also!Lernen oder Gewohnheit
Vermutlich sind diese Gesprächsminuten im Bezug auf das Lenken des Fahrzeuges komplett ausgeblendet. Nicht vorhanden!

Du hast das Fahrzeug also komplett unbewusst über die Bahn geheizt!

An sich eine nicht zu verachtende Großleistung…
…aber soviel also zur Gewohnheit!

Was wäre gewesen, wäre die Strasse urplötzlich zu Ende gewesen… während Du Deine "Fernsteuerung" aktiviert hattest…?

???


Ist diese Gewohnheit also nun ein Segen…?  Oder mitunter auch ein "Fluch"…?

Besteht die Möglichkeit, dass durch zuviel Gewohnheit Dinge, Erlebnisse, mitunter Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten aber sowas von an uns vorbei gehen?

Wann setzt die Bewusstheit wieder ein?
Nehmen wir erneut die Autofahrt…
Wenn uns einer von hinten ständig anblinkt, anhupt…  im krassen Fall ein Unfall passiert?

Wie ist es also nun mit dem "restlichen Leben", das ja bei Weitem nicht nur aus Autofahrt besteht…?


Ein heiß "begehrtes" Thema namens "Beziehung"!
Wie oft wird der Partner an der Seite zur Gewohnheit?
Und wann kommt das oftmals böse Erwachen? Wenn er/sie geht? Wenn etwas anderes passiert?

Was geschiet leider auch aus Gewohnheit?
Man schiebt die Verantwortung letztlich gerne dem Gegenüber zu. Oder irgendwelchen fadenscheinigen Umständen. Der Ungerechtigkeit des Lebens… ja und was sonst noch alles!


Greifen wir also doch vielleicht einmal den Begriff des Lernens auf!

Ist das Lernen im Leben jemals vorbei?

Gewohnheit bedeutet für mich überbegrifflich Stillstand.
Lernen hingegen Bewegung, Veränderung.


Lernen oder Gewohnheit

Was also möchte ich im Leben?
Stillstand oder Bewegung?

Bitte jetzt nicht unbedingt wieder hinausreden auf diese ach so vielgepriesene Sicherheit.
Wenn etwas 1000 Mal schon in gleicher Weise gemacht wurde, geschehen ist, halt geklappt hat…, daraus ein Normverhalten abgebildet wurde, es zu einer Gewohnheit gemacht wurde…
Hieße dies denn automatisch, dass es das 1001 Mal genauso richtig sei? Sicher sei?

Oder würde mitunter dem Gedanken durchaus Brisanz und Bedeutung zukommen, dass man die sogenannte Erfahrung, die auch sehr auf Gewohnheit beruht, im Grunde genommen in die Tonne knicken kann?
Oder diese vermeintliche Erfahrung zumindest nicht einfach als Schablone auf jede neue Situation anwendet, sondern zuerst einmal überprüft, ob diese den Gegebenheiten im Jetzt tatsächlich Genüge tut?
Doch dies bedeutete: aktives Tun! Anstrengung! Bewusstheit! Lernen!

Gibt es da nicht bereits seit der Antike den beflügelten Spruch…

"Ich weiß, dass ich nichts weiß!"  (erstmals bezeugt von Cicero, 106-43 v. Chr.)

 

Ist alles von uns erarbeitete Wissen also letztlich doch nur ein Scheinwissen?
Zumindest nur begrenztes Wissen, zumal jeder von uns ausschließlich durch seine eigenen Filter wahrnimmt?

Und wir wagen uns doch soweit vor, dieses gefilterte Scheinwissen zur Grundlage von automatisierten Gewohnheiten zu machen?

Eine heutige Indrustrie, ein Kapitalismus gaukelt uns tagtäglich noch dieses und jenes vor. Berieselt uns mit gesteuerten "Weisheiten". Und wir lassen uns berieseln. Hinterfragen oft nicht einmal mehr… weil die Verlockungen, die man uns vorgaukelt aber schon sowas von anreizend sind…

Und letztlich entwickelt sich alles zu einem großen komplexen System, an dem jeder von uns mitwirkt. Ohne Ausnahme.

Lernen oder Gewohnheit
Lernen oder Gewohnheit

Wie bewusst stehst Du dieser Sache gegenüber?
Und dabei nicht gleich wieder hinausblickend in die Welt…
…sondern ganz ureigenst bei Dir?
Herrscht in Dir eine Ausgewogenheit, Balance?
Schaffst Du Dir durch Lernen eine Fülle im Leben… oder lässt Du Gewohnheit eher Aushöhlung, Leere zu.

Welche Wahlmöglichkeit zwischen Lernen und Gewohnheit triffst Du?

Denn letztlich wird genau DIESE Entscheidung Dein Schlüssel zur Balance… zu Fülle oder Leere sein! Es wird die Art und Weise bestimmen, wie Dein Kurs durchs Leben verläuft…: aufrecht, windschnittig, voller Spaß… oder eher in Schräglage kurz vor Kentern, voller Belastung und Stress…

In diesem Sinne wünsche ich Dir noch ein tolles Wochenende…
…und hoffentlich genug Stoff, um diese Deine Entscheidung mal genauer zu betrachten!

Dein Prinzerl

 

Bildquellen:
– Titelbild: Eigen (C), Fotograf Ernest Stierschneider
– Grafik "5 Sinne": mit freundl. Genehmigung Norbert Glaab, ICC, www.norbert-glaab.de
– andere Bilder: Pixabay

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