Lügen – ein gängiges Gesellschaftsmerkmal?

Lügen… ein Merkmal der Gesellschaft? Oder doch vielmehr Ausdruck des Mangelns, der Angst?

Herzlich willkommen liebe LeserInnen zu diesem Achtsamkeitsbeitrag!


Wie stehts denn so mit dem Lügen?
Wie sehr stecken wir in dieser Anpassung schon drin?
Angefangen bei kleinen alltäglichen Flunkereien… bishin zu einer möglichen großen Lebenslüge…

Da las ich dieser Tage in einem sehr spannenden Buch folgende Aussage:

"Lügen sind für uns Menschen wichtig, um in unserem sozialen Umfeld bestehen zu können"

(Menschen lesen 223)

 

Lassen wir dieses Zitat einmal ein wenig sacken, könnten sich mitunter äußerst tiefe Abgründe auftun…

Ohne Lügen könnten wir also gar nicht mehr bestehen???

Welche Ausmaße und Tragweiten vermag dies sichtbar zu machen…!?!?!

Lügen

Wenn wir nun einfach mal versuchen, uns diesem Thema möglichst "wertfrei" zu nähern (obwohl das grade hier eine ganz "heiße Kartoffel" ist…)…
…wozu dient denn nun das Lügen…?

Wäre es im Rahmen einmal festzumachen, dass Menschen nicht nur lügen, um sich einen wie auch immer gearteten Vorteil zu verschaffen, sondern auch, um zum Beispiel andere vermeintlich zu schützen…?
Eine Lüge könnte weiters dazu dienen, eine ausführliche Erklärung zu vermeiden, einer Strafe zu entgehen, ja sogar um einen Doktor-Titel zu erlangen. Sich vermeintlich um eine Konfrontation drücken zu können, Verantwortung jemand anderem aufzuhalsen.
Ganz provokant ausgeführt: Ja eine Lüge dient mitunter auch der sognannten Höflichkeit.

Bitte jetzt nicht als Anklage verstehen… doch mitunter könnte man das Thema sogar soweit auf die Spitze treiben, dass selbst Make-up oder Kleidung (hier Männer und Frauen) in den "Dunstkreis" der Lüge manövriert. Maskerade. Kostümierung.

 

Meine schon schier "berühmte" Frage dazu…: Wie kommts?
Wie hat das Lügen begonnen, sich eingenistet in das gesamte menschliche Verhalten?

Denken wir doch einfach mal zurück. Bis in unsere Kindheit!
Frei nach dem Motto: "Übung macht den Meister"

Bereits in unserer Kindheit wurden wir mit Situationen konfrontiert, wo uns bald beigebracht wurde, dass zum Beispiel ein Verhalten, ein Resultat daraus, nicht auf Zustimmung des Umfeldes stieß. Dass eigene Ausflüge der Erfahrung keine Begeisterungsstürme erweckte.
Und das Umfeld instrumentalisierte die Kinder nicht selten zur Kaschierung eigenen Unwillens.

"Sag "ihnen", ich/wir sind nicht zuhause"… wenn es an der Türe läutete und unangenehmer "Besuch" erwartet wurde.
"Sag Deinem Vater bloß nicht, was passiert ist"… erhielt das Kind die Anweisung, wenn es regelwidrig gehandelt hatte. Unter Umständen sogar, wenn eigentlich ein Erwachsener Mist gebaut hatte und befürchtet wurde, dass das Kind etwas ausplaudern könnte…
"Setzt gefälligst ein fröhliches Gesicht auf"… wenn die Begrüßung der unbeliebten Tante nahte…
"Wie geht es Dir/Ihnen?" Zwar ausgesprochen, doch insgeheim kein wirkliches Interesse dran. Vorgaukeln von Teilnahme, Interesse, Lüge.
"Uiii siehst Du toll aus"… nur um sich einzuschleimen. Vermeintliche Höflichkeit. Insgeheim gehen die Gedanken womöglich ganz woanders hin…

Oh ja. Scheinbar alles ach so harmlos scheinende Flunkereien. Aber letztlich definitv Unwahrheiten, Schauspiel/Masken, Lügen.
Und grade Kinder übernehmen diese Verhaltens- und Gedankenmuster nur allzu leicht und gerne! Sie wollen geliebt werden, haben keine Referenz nach außen. Also wird nach bestem Wissen und Gewissen dem entsprochen, was gefordert wird! So oder so!

Zusätzlich möchte ich hier nicht ausklammern, dass eben nicht Ausgesprochenes (Verschwiegenes), mitunter keine Lüge sei. Ein Verschweigen von Tatsachen kommt mitunter einer Lüge sehr gleich. Wenn es – auf emotionaler Ebene – nicht sogar noch schlimmere Wirkungen zeigt!
Ich hoffe, ich muss hierzu nun nicht explizite Beispiele aufzählen!?

Vielleicht kennt der Eine oder Andere noch den Spruch "Lügen haben kurze Beine!"
Was könnte damit nun gemeint sein?
Freilich… wie bekanntlich bei vielen Dingen des Lebens, vermag ein "Interpretationsspielraum" auch hier mitunter groß sein.
Doch… wenn wir nur so ein bisschen zurückdenken… an diverse Flunkereien, Notlügen… oder "richtige Lügen"… Wie lange hielten diese vor? Geschah dann nicht über kurz oder lang etwas, dass diese Lügen offenbarte? Meistens eher über kurz…? Wird mit einer Lüge nicht auf gewisse Weise ein "Energielevel" eines Seins verzerrt, sodass dies unweigerlich Auswirkungen auf jegliches System hat? Sich ja regelrecht bemerkbar machen muss…?

Und zudem stelle ich dann noch in den Raum: Wie fühlt sich der Mensch denn dann, wenn Lügen "aufgeflogen" sind? Sowohl der, der aktiv/passiv lügt (verschweigt)… Wie auch der, der belogen/"beschwiegen" wurde?
Hat das mit Gefühlen wie "toll", "berauschend", "erfüllend", "liebend" zu tun???
Haben die Lügen auch nur ansatzweise irgendwas an der ursprünglichen Sache, Situation verändert? Gar verbessert?
Oder tritt hier vielmehr das Phänomen ein, dass es jegliche Sache eigentlich noch schlimmer macht…?


In der Tat scheint die Wiederholung der Frage mehr als gerechtfertigt:

AUS WELCHEM GRUND LÜGEN WIR ALSO???

Gibt es im Lügen irgendeinen "beweisbaren", "wirklichen" Nutzen? Oder ist diese Annahme, These eher ein letztlich verzweifelter Versuch eines sogenannten Verstandes, vielmehr angeschlagenen Egos, irgendwas "beschönigen" zu wollen?
Schafft Lügen letzten Endes wirklich einen Vorteil, oder ist dies maximal zeitlich begrenzter Irrglaube?


Weshalb also lügen wir? Nur weil es sich schon seit Anbeginn der Menschheit als "bewährte Maßnahme" für eigenen Vorteil, Schutz bewährt hat? Da es immer so war? Weil wirs so erlernt, uns daran angepasst haben?
Oder weil letzten Endes hier Angst vor etwas, mehr oder minder über die Wahrheit siegt? Eine Angst vor möglicher Konsequenz!
Eine Angst, sich unbeliebt zu machen, abgelehnt zu werden.
Eine Angst, nicht mehr geliebt zu werden… oder im Gegenzug… einen anderen zu verletzen.
Weil Wahrheit unhöflich wäre?
In diesem Dunstkreis … mangelnde Konfliktfähigkeit. Letztlich … auch wieder Ausläufer einer Angst.
Schatten einer mangelnden Selbstsicherheit, Achtsamkeit, Bewusstheit, Präsenz im Jetzt.


Jetzt mal "Gefühlsfragen" an Dich liebe(r) LeserIn:

Wie würde die Welt für Dich aussehen, gäbe es keine Lüge?
Was hätte dies für Dich an Bedeutung?
Wie würdest Du Dich dabei fühlen?

Nicht einmal das kleinste Flunkern?

Wäre eine solche "Welt" für Dich denkbar?
Oder kommen da sofort irgendwelche Bedenken, Einwände hoch?
Ein beklemmendes Gefühl…
…so ganz nach dem altbekannten Motto: "Das macht man nicht" … oder "Das ist unmöglich"

Sagt wer???


Ist die Wahrheit tatsächlich "verletzend"? Ja?
Aus welchem Grund?

Was kann mich denn tatsächlich verletzen? Was geschieht hierbei?
Könnte es mitunter sein, dass dieses Gefühl der "Verletzung" genau hierbei geschieht, wenn eine eigene Unwahrheit aufgedeckt wird? Der Verstand sich hier aber seine Story sofort so zurechtbiegt, dass das Gegenüber verletzt. Also Verantwortung abgewälzt wird…
In Wahrheit jedoch legt es höchstens die Finger in die Wunde und erinnert mich im Sinne des Lebensspiegels daran.

Oder wie ist das mit dem Lügen aus sogenannter Höflichkeit?
Weshalb verlangt die "Höflichkeit", nicht die wahre eigene Meinung kundzutun?
Wenn mir nun mal zum Beispiel etwas nicht gefällt… Weshalb sollte ich hier lügen, anstelle genau meine Meinung auszudrücken?
Ist eine ehrliche Meinung nicht viel eher Zeichen einer Werschätzung und Respekts an mein Gegenüber, als wenn ich diesem mitten ins Gesicht lüge oder verheimliche?

Jaaaa… ich weiß. Niemand hört sogenannte "Wahrheit" gerne. Da sie zumeist jeweils eigenen Vorstellungen, Erwartungen zuwider läuft! Doch würde ich gerne festhalten wollen, dass diese Wahrheit in unbedingt in groben Worten um des Anderen Ohren geschlagen werden müsste, sondern wir uns auch bei Wahrheit einer normalen/respektvollen Ausdrucksweise bedienen können!

Wie ist das in Arbeitsverhältnissen?
Aus welchem Grund bin ich genötigt, selbst gegenüber einem Chef/einer Chefin mit meiner Meinung hinterm Berg zu halten und anstelle dessen zu lügen?
Aus Angst, weil ich dann mit Repressalien zu rechnen habe?
Situation anders betrachtet: aus welchem Grund fühlt sich ein Chef/eine Chefin von einer Wahrheit eher angegriffen? Lässt eigenes Unvermögen dann am Mitarbeiter aus? Oder umgekehrt… begnügt sich am Ende "lieber" mit Lügen?

Mit welchem Grund finden Lügen in Beziehungen Raum?
Weil gefürchtet wird, dass einem das Gegenüber dann Liebe entzieht?

Aufgrund welcher Begründung sollte mir selbst eine Lüge lieber sein?
Nur damit mein eitles Ego nicht gekränkt ist/wird? Damit ich mich leichter über vermeintliche Unzulänglichkeiten hinwegretten kann? Damit ich keinen Aufwand betreiben oder gar vor mir rechtfertigen muss?

Jetzt noch ein unscheinbares, aber wichtiges Detail in diesem thematischen Dunstkreis, dass jedoch mitunter seeeehr weitreichende Folgen zu haben vermag…  Dieses Detail besteht in der Verwendung von genau 2 (!) Worten. Und in der Bedeutung, dass jedes von diesen beiden Worten eine mitunter riesengroße Wahrheit… oder eben auch Lüge… zu beinhalten vermag. Diese beiden Wörter lauten "JA" oder "NEIN"!

Was wenn wir ein "JA" denken und fühlen, jedoch dann aus hier nicht näher zu erläuternden Gründen letztendlich ein "NEIN" äußern, leben. Und umgekehrt. Kennen wir diese Form der Lüge, ja…? Oder nein…?

Woher kennen wir dieses Verhaltensmuster denn…?!?!? Etwa aus einer Kindheit…? Und wir Erwachsenen tragen es unbewusst schön weiter, bekommen es mitunter gespiegelt zuhause in der Familie, im Arbeitsbereich, Freundes- und Bekanntenkreis. Überall. Aber wir erkennens trotzdem vor lauter Angst nicht… verkrampfen nur.


Jetzt ist es nun einerlei, die Lügen an den Pranger zu stellen.
Anklage. Urteil. Konsequenz.
So ähnlich, wie im strafrechtlichen Prozess. Anklage-Urteil-Strafe. Punkt.

Dieses Flunkern, Lügen, zählt mitunter zu den ältesten Verhaltensmustern der Menschheit.

Da ich mir angewöhnt habe, eine "Anklage" aber nicht nur bei einer solchen bewenden zu lassen, sondern im Hinblick auf eine Lösung, Ausschau zu halten…

Wie nun könnten wir hier diesem "Lügen-System" eine Wende verleihen???

Klar. Die direkteste Antwort wäre: "Nicht mehr lügen".
Doch das will eben erst einmal umgesetzt sein!!!
Und da selbst Rom bekanntlich nicht in einem Tag erbaut war…


Wie schon so oft, vermag hier eine ernsthafte Veränderung erst am Urpsrung beginnen. BEI UNS SELBST!!!

Deshalb lade ich ab sofort zu folgender "Hausübung" – ohne zeitliches Limit – ein:

WO BELÜGE ICH MICH SELBST ???

In welchem Labyrint haben wir uns selbst verlaufen?

Lügen

Diese grundlegend wichtige Frage gilt es einmal in nüchternen Ehrlichkeit, schonungslos zu beantworten!

Aus welchem Grund nun könnte hier der Anfang zur Veränderung, im Vergleich zu anderen Fragen, Themen, noch leichter fallen?

Nun…
…uns selbst schulden wir mitunter keine Rechtfertigung!
Natürlich können wir alles – auch uns selbst gegenüber – hinterfragen.

Doch im Sinne einer Bewusstheit, eines Respektes, einer Wertschätzung uns selbst gegenüber…
…wäre es nicht längst an der Zeit, hier einmal reinen Tisch zu machen?

Oder wollen wir uns selbst weiter in die Tasche lügen… Hintennach aber wundern wir uns jedoch, schimpfen, jammern, klagen an, wenn uns im Sinne des Lebensspiegels die Rechnung präsentiert wird!?
Wie soll uns im Außen ein Mensch ehrlich, aufrichtig, klar, offen usw. begegnen, wenn wir selbst all dies nicht leben? Selbst ständig und bei jeder Gelgenheit Lügen leben?


Wer weiterhin glauben will, "das macht man nicht", "das gehört sich nicht" (also die Wahrheit zu denken, sagen und leben), …oder "das schaffe/kann ich nicht"
…ja was soll das Leben dann anderes präsentieren?
Das Leben selbst hat hier seine eigene Gesetzmäßigkeit. Ist noch derart "kulant", dass es uns immer und immer wieder durch Geschehnisse erinnert. Bis wir endlich zu ändern beginnen!


"Ja… und was werden die Anderen dazu sagen, davon halten…???"

Ist das denn tatsächlich für jedermanns einzelnes Leben wirklich relevant?
Was ist im Sinne eigener Bewusstheit, eines Respektes, die von Anderen ständig abverlangt werden, wohl wirksamer und wichtiger?
Ob ich selbst zuerst einmal Wahrheit denke, lebe, bin…  oder ob ich ständig immer zuerst auf die Anderen achte, von deren Denken und Tun abhängig mache?

Wohl wahr. Wahrheit ist ein relativer Begriff. Jeder hat seine Wahrheit. Eine entsprechende Verständnisbereitschaft in gewissem Rahmen ist also durchaus erwünscht.
Doch bei aller Wahrheitsvielfalt, ist da dennoch eine Art Grundwahrheit. Und Lügen sind eben nicht Wahrheit.


Ein Blick ins tägliche Außen spiegelt uns ausreichend, wie angespannt alles an sämtlichen Ecken und Enden ist.
Und das wäre aus reiner Wahrheitsliebe so?


WIR verändern also möglicherweise das Bild. Niemand anders!


In diesem Sinne wünsche ich eine spannende Zeit, auf der Entdeckungsreise zur eigenen Wahrheit und zu deren Umsetzung!

Euer Blog-Autor
Ernold Prinz

(Lifecoach, psycholog. Berater (i.A.), Sachbuchautor)

 

PS: Wer die Achtsamkeits-Beiträge nicht gelesen hat / erst jetzt "eingestiegen" ist…  Die Blogs sind gerne nachzulesen,zusammengefasst auf der Projekt-Seite  https://www.das-neue-ich.com/achtsamkeitstraining/

PS: Ein Direktlink zu meinem neuen Buch: Informations- und Kaufseite zur Verlagsseite von Tao.de

Zum Interview mit dem Lifestyle-Magazin "look! Salzburg": http://www.looksalzburg.at/lifestyle/vergangenheit-war-damals-143549

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