Recht haben oder Harmonie? Was ist wichtiger?

Müssen, wollen wir unbedingt Recht haben, unseren "Kopf" durchsetzen…
…oder wollen wir im Sinne einer Harmonie unseren Standtpunkt erklären?


Herzlich willkommen zu diesem Achtsamkeits-Beitrag liebe LeserInnen!

Ja… mit immer weiterem Fortschritt in unserer Achtsamkeits-Reihe geht es zusehends auch in die Tiefe!

Mit ist durchaus klar, dass man in jedem "Level" noch genügend andere "Beispiele" für eine achtsame Betätigung aufstellen könnte…
…doch soll meine Reihe ja nur ein kleiner Anstoß, Inspiration sein, letztlich aus eigenem Antrieb auf die Reise der Achtsamkeit zu gehen.


Zum heutigen Thema bzw. Titel also…

Wie oft stoßen wir auf Unterhaltungen, in denen – zumindest für außenstehende Beobachtungsposition – ziemlich schnell offenbar wird, dass es da um ein gerne gesehenes Recht haben geht…

Was ist dieses Recht haben jedoch…?


Geht es wirklich um das Recht haben… also in irgendeiner Form um die Festmachung dessen, dass ich als Aussprechender im Recht bin?

Ferner: Was ist dieses Recht überhaupt? Worauf stütze ich mich hier?


Wohl wahr… vielfach wird da nun die inhaltliche Antwort hochkommen, dass diejenigen, die schon etwas festgestellt, festgelegt, erforscht … ja was weiß ich noch alles … haben, eben Recht haben! Dafür zum Teil ja schon Beweise geliefert hätten.

Eben heute habe ich ein Buch fertig gelesen, in dem zum Abschluss ein sehr bekannter Wissenschaftler, eine Koryphäe auf seinem Gebiet, selbst aussagt, dass selbst allfällige Wissenschaftsbeweise eine sehr subjektive Note hätten. Denn wer legte denn zum Beispiel fest, welche Parameter für diese Beweiserbringung anzuwenden wären… und welche nicht? Wäre hier letztlich also noch pure Objektivität gegeben?
Ist jeglicher Beweis somit ungeprüft als Recht zu übernehmen und umzusetzen?

Ich will mich an dieser Stelle nun gar nicht in die gesamte Gesetzgebung und damit zusammenhängende Recht-Sprechung verlaufen. Doch insgesamt sitzen immer noch Menschen hinter diesen Machwerken an Recht. Es sitzen Menschen, die über dieses Recht befinden. Und wir alle wissen, dass die jeweiligen Repräsentationssysteme in jedem von uns, sehr durch eigene Erfahrungen geprägt sind. Somit auch die Art und Weisen eben, was und wie wir etwas auffassen … und letztlich auch interpretieren, umsetzen.


Insgesamt also… wenn ich mir diesen Satz … vor allem den ersten Teil nun so ganz bewusst und tief verinnerliche…
…da käme ich zu dem starken Gefühl, dass ein Pochen auf Recht mitunter ein ziemlich dünnes Eis, also eine subjektive Sache werden könnte…

Recht haben


Was aber ist es dann, was uns mitunter derart auf dieses Recht pochen lässt?

Geht es tatsächlich noch um diese subjektive Rechts-Kiste…?

Oder tritt nach liebevollem Hinsehen da nicht eine gänzliche andere Sache zutage?

Geht es bei diesem Recht haben also viel weniger um das Recht, die damit interpretierte Wahrheit…
…sondern vielmehr ums Gewinnen…?!?

Da lässt an dieser Stelle das Ego wohl auch herzlich grüßen!


Ist es nicht letztlich ein schon uraltes Spiel das wir hier betreiben?

"Wenn ich gewinne, muss der Andere verlieren!"

Und wer bitte verliert denn schon gerne?

Der Kampf ist also sehr schnell in vollem Gange!


Was nun – wenn man den Faden noch weiterspinnt – steckt hinter diesem Machtgeplänkel des Gewinnens, Verlierens…?

Etwas ein Mangeldenken?

Ja wie alleine stünde ich denn dann schon da… wenn ich verlöre? Wenn der Andere doch Recht hat…?
Nicht nur vor diesem Menschen… sondern noch vor… diesem und jenem…?

Spielt also hier eine Befürchtung des Gesichtsverlustes, einer Minderwertigkeit, einer Scham, ja bishin zu Wut, Eifersucht, Zorn und noch so einiges mehr, eine Rolle?

Auf den Punkt gebracht also eine Angst…?


Oh ja! Alte, uralte Muster treten hier zutage! Selbstverständlich in verschiedensten "Schattierungen", Intensitäten. Aber letztlich läuft es immer wieder drauf hinaus.
Muster, die sich bereits in unserer Kindheit gebildet haben. Sei es, dass wir dies von unserem Umfeld ja so wahrnahmen, sei es, dass wir in jener Zeit der Anpassung an Gesellschaft und sonstiges selbst solche Taktiken "erfanden", um eben genau in jenen Zeiten über die Runden zu kommen!


So Du Dir so ein bißchen Zeit schenken möchtest…
…und letztere Unterhaltungen mal so revuepassieren lässt…

…fällt Dir da mitunter etwas auf, was in jene Richtung deuten könnte…?


Wolltest Du auch Recht haben…?


Neuerlich darf ich betonen, dass dies weder eine Fremdanklage noch eine Selbstverurteilung darstellen oder nach sich ziehen soll!
Wir Menschen sind offenbar so.
Und in Zeiten, wo Gefühl immer noch mehr von Gedanken und Handeln abgekoppelt wird, zudem auch immer noch mehr in virtuelle Welten verlegt wird…
…da ist es schier als "normal" zu betrachten.

Was – für mich auf jeden Fall – aber nicht im Geringsten Anlass oder Rechtfertigung ist, dies nicht zu ändern!

Denn…
…wie fühlt es sich denn an?


Ist es sooooo eine Errungenschaft, wenn man grade Recht hatte?
Den Anderen gleichzeitig – wohl unbewusst aber doch – ungespitzt in den Boden gerammt hat? Je nach Intensität, wie dieses Recht haben betrieben wurde…

Oder eben die andere Seite… die "Verlierer-Seite".
Wie vorhin schon erwähnt: "glücklich" ist damit wohl eher keiner…


Geht es uns also um das Gewinnen?

Oder wollen wir – in respektvoller Begegnung – einfach unseren Standpunkt darlegen, erklären, deponieren? Und gut.


Jaaaa… ich weiß…
…vielfach wird mir – genau in diesem Zusammenhang – dann immer eines der berühmten Zitate eines weisen Mannes entgegengebracht… nach dem Motto: "Wenn Du eine Backe hinhälst, halte auch gleich die Zweite hin!"

Wie zuvor erwähnt, ist Recht sehr subjektiv.

Gestehe ich dem Gegenüber also zu, seine Sichtweise ebenfalls darzulegen. Mitunter auch zu behalten?
Wäre es tatsächlich meine Aufgabe, auch nur irgendjemanden von meiner Sichtweise zu überzeugen? Überzeugen zu müssen???

Schriebe ich etwa diesen oder jeglichen anderen Beitrag, um Dich in Deiner Meinung beeinflussen, Recht haben zu wollen oder gar zu müssen?
Ganz sicher nicht!
Ich schreibe meine Meinung, lege meinen Standpunkt dar. Das war´s auch schon.
Bin jedoch immer offen, für Neues. Bin auch bereit, meinen Standpunkt zu erweitern!

Ich hatte mich im übrigen zum Thema "Was ich alles MUSS" schon in einem Beitrag geäußert!

Oder eben liegt es ohnehin nicht am Recht haben, sondern vielmehr am Gewinnen…?

 

Eines würde ich an dieser Stelle also noch einwerfen wollen:  Das Ding mir der "Harmonie".

Ob ich nun meinen Standpunkt respektvoll einfach darlege… oder dies aus dem Hintergrund tue, dass da Harmonie eintreten oder vorherrschen sollte…   Ich würde auch hier zu behaupten getrauen, dass dies mitunter auf ziemlich dünnes Eis führen könnte!

So eher die Absicht auch sein mag…  es könnte dann schon wieder aus einer Art Erwartungshaltung stattfinden. Einer Erwartungshaltung, der das Gegenüber aber nicht unbedingt folgen müsste…

Ich nehme da nun nur ein sachliches Gespräch in einer Firma als Beispiel, wo es eben nun mal um Fakten geht. Und all den Krims-Krams, der dann diesen Zahlen zugeordnet wird.  Hier also nun mit einem Harmoniegedanken ans Werk zu gehen, könnte also zumindest eine ziemlich interessante Überraschung bereithalten…

Oder nehmen wir ein Gespräch in einer Beziehung, wo halt schon mal gerne die Emotionen hochkochen…

Liegt da beim Gegenüber womöglich grade der Sinn nach Harmonie? Ja… ich getraue mich auch zu sagen, dass selbst eine einfache, respektvolle Darlegung meines Standpunktes – genau ob dieser emotionalen Achterbahn – just in DEM Moment nicht ganz durchzudringen vermag, wie mancher es sich vielleicht wünschte…

Ich würde das Ding mit der Harmonie also zumindest mal "in Klammer" stellen…  wink

 

Und noch eine weitere Sache, die ich hier an dieser Stelle anbringen möchte…:

Was nun, gesetzt der Fall, das Gegenüber beginnt also ein Gespräch, verwickelt Dich in ein Recht haben…

Du respektierst Deinerseits des Anderen Blickwinkel, der/die jedoch lässt nicht locker… will also mit allen Mitteln aufs "Siegerpodest"…   Ich nehme an, Du kennst solche Menschen…

Wie also steige ich aus?

Ich würde sagen… nach dem Motto: "Nur sprechenden Leuten kann geholfen werden!"

Was soviel heißt wie: Ich drehe mich nicht einfach nur um, gehe… ignoriere das Gegenüber. Sondern hier gehört nun mitunter eine Portion Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Mut mit ins Geschehen! Ich kommuniziere!

Ich werde dem Gegenüber dies ganz offen, ruhig, respektvoll mitteilen! Ich erkenne dessen Standpunkt an. Oh ja. Lege meinen – soweit möglich – auch offen dar, kommentiere diesen. Wenn nicht, eben nicht. Klinke mich dann aber ganz bewusst aus diesem Gespräch aus!

Zum Beispiel:  "Ich erkenne Deine Sichtweise, Deine Meinung, Deinen Standpunkt durchaus an – ersuche Dich jedoch auch, im Sinne eines respektvollen Umgangs, auch meinen Standpunkt gelten zu lassen. Sollte dies nicht möglich sein, so ist jetzt möglicherweise nicht der richtige Zeitpunkt, um dieses Thema grundsätzlich zu behandeln. Ich würde vorschlagen, wir verlegen diese Unterhaltung auf einen späteren Zeitpunkt."

Ooooder… es eröffnet sich mir die Möglichkeit, dass ich hier zwischen "Wissen" und "Weisheit" unterscheiden vermag. Und tiefe Weisheit bringt mitunter mit sich, dass man gar nicht mehr erklären WILL… also seinen Standpunkt darlegen WILL…  Es reicht, ihn zu haben, ihn bestmöglich zu Leben, offen zu sein, ihn auch zu ändern…   Aber die Zeiten des Machtgeplänkels sind vorbei! Man geht nicht mehr auf dieses Spiel ein!

 

Zur "Hausaufgabe":

In beiden Fällen also lade ich im Sinne der Achtsamkeits-Hausaufgabe herzlich ein weiteres Mal dazu ein, Dich selbst in der nächsten Zeit zu beobachten!
Zumindest den Tag, die Gespräche am Abend noch einmal bewusst durchzugehen.
Aufzuschreiben.

Und ich wiederhole auch hier erneut: Beobachten! Nicht Be- oder Verurteilen! Gegegebenenfalls ändern – DASS JA!  laugh

Und als kleiner Tipp dann für die "Fortgeschrittenen", die für sich selbst schon erkannt haben, was da als "Antreiber" zum Recht haben wollen dahintersteckt…:

Achte und respektiere immer die persönliche Sichtweise Deines Gegenübers!
Auch wenn sie noch so abstrakt scheint. Auch wenn sie noch so viel Widerstand in Dir erzeugt!
Jeder hat seinen eigenen Blickwinkel. So auch Du!

Du wünscht vermutlich, dass Dein Gegenüber Deinen Blickwinkel respektvoll anerkennt. So gestehe es bitte auch dem Gegenüber zu!


Wenn diese Sichtweise so abstrakt, so widerständig scheint…
…so will sie Dir mit Sicherheit eine Botschaft überbringen!
Dann wird da in Dir ein Knopf gedrückt, etwas getriggert.
Etwas, dass schon IN DIR ist.

Es lohnt sich also, hier genauer hinzusehen…


In diesem Sinne also wünsche ich Euch eine schöne Wochenmitte…
…und viel Beobachtungsmöglichkeit hinsichtlich dem Recht haben wollen… oder doch nur Standpunkt erklären.

Kampf, Machtspielchen austragen wollen… oder Bereitschaft zur Erweiterung des eigenen Horizonts zu eröffnen.


In Achtsamkeit


Euer
Ernold Prinz

(Lifecoach, psycholog. Berater)

 

PS: Wer die vorherigen Beiträge nicht gelesen hat / erst jetzt "eingestiegen" ist…  Die Blogs sind gerne nachzulesen unter: https://www.das-neue-ich.com/meine-blog-insel/ … oder zusammengefasst auf der Projekt-Seite  https://www.das-neue-ich.com/projekt-achtsamkeit-im-taeglichen-umgang/

 

Bildquelle: Pixabay – Beitragsbild gesamt (C) Das Neue Ich

 

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